Liebe Südwind-Redaktion!

Wenn die Kaufhäuser in Bangkok bummvoll und die Restaurants bis auf den letzten Platz besetzt sind und man auch sonst keinen ruhigen Ort findet, dann bedeutet das: Entweder es hat Gehalt gegeben oder es ist Feiertag – oder beides. Steht der lang ersehnte Zahltag an, häufen sich vor den Bankomaten die Schlangen. An den leuchtenden Augen sieht man, dass die Arbeitgeber pünktlich ausbezahlt haben. Alle anderen stehen mit langen Gesichtern da.

Nicht selten kommt es vor, dass Menschen schon in der zweiten Monatshälfte pleite sind. Dann nämlich, wenn sich wie im April und Mai die Feiertage häufen. Da gibt es solche, die das nicht wahrhaben wollen und die oft vier oder fünf Automatenkarten aus ihren Portemonnaies zücken, nur um letztlich feststellen zu müssen, dass auf keinem der Konten mehr Geld übrig ist.

Wobei man fair sein muss: Dass bei Vielen zum Ende des Monats finanzielle Ebbe herrscht, liegt vor allem an den in den vergangenen Jahren deutlich höheren Lebenshaltungskosten und gestiegenen Preisen. Und diejenigen Thais, die ohnehin wenig im Geldbeutel haben, bekommen das am meisten zu spüren.

Wenn alle Stricke reißen, geht man an sein Erspartes – sofern vorhanden. Außerdem ist es gang und gäbe, Verwandte und Freunde um Hilfe zu bitten. Das ist sicherlich besser, als zu einem Kredithai zu gehen. Ich habe es auch schon gehört, dass der eine Kumpel vorsorglich zum anderen sagt: Wenn ich ab der kommenden Woche kein Geld mehr übrig habe, komme ich zu dir und leihe mir was.

Was mich selbst betrifft, so bin ich auch kürzlich aus diesem Grund angepumpt worden. Zum Glück für den Anderen war ich gerade flüssig.
Nicola Glass

nach oben