Auslassungen

Ruanda SWM 3/2012

Der Artikel von Richard Solder weist einige Mängel und Auslassungen in der historischen Darstellung auf.

1916 übernahmen die Belgier von den Deutschen, die bereits mit der „indirekten Herrschaft“ auf die feudale Tutsi-Aristokratie gesetzt hatten, die Kolonie. Die „Konstruktion“ der Ethnien und ihr soziales Zusammenspiel ist wesentlich komplexer und komplizierter.

Der blutige Machtwechsel fand vor der Unabhängigkeit (1962) schon 1959 statt, nachdem sich die Tutsi-Monarchie strikt gegen konstitutionelle Reformen versperrt hatte, und war zugleich eine soziale Revolution. In den ersten Jahren der Unabhängigkeit war Ruanda ein autoritäres (Hutu-)Entwicklungsregime, das die Tutsibevölkerung sehr wohl ihrer Quote entsprechend beteiligte. Allerdings konnte trotz internationaler Vermittlung die Rückkehr der geflohenen Tutsi aus den Nachbarländern nicht gelöst werden, was einer der Hauptgründe für die Gründung der RPF (Ruandische Patriotische Front) in Uganda war, allerdings schon in den 1980er Jahren. Der Rebellenkrieg dauerte von 1990 bis 1994, wurde mit großer Brutalität, mit tausenden Toten und einer Million Binnenflüchtlingen geführt. Der Sieg der RPF beendete das Morden, führte aber zur Flucht von über zwei Mio. Menschen (Hutu) ins Ausland.

Auch die fragwürdige Rolle des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni in diesem Krieg und die Rolle Kagames/ Ruandas beim Machtwechsel im Zaire/Kongo 1995/96 sollten nicht verschwiegen werden.

Richard Langthaler
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