Bündnis für Saubere Kleidung

Solidarität ist ein Fundament gewerkschaftlichen Handelns. Die Textilproduktion ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig auch Bündnisse mit anderen Organisationen der Zivilgesellschaft sind. Die Erfolge der Clean Clothes Campaign wären anders nicht möglich.

Von Frauke Banse
Nicht nur in Bangladesch muten viele Zulieferbetriebe internationaler Modefirmen den MitarbeiterInnen unmenschliche Arbeitsbedingungen zu.

Mehr als 1.100 ArbeiterInnen starben, als am 24. April 2013 das Rana Plaza-Gebäude in Bangladesch einstürzte, über tausend weitere wurden schwer verletzt oder trugen tiefe psychische Schäden davon (siehe auch SWM 6/13 und 11/13). In die internationalen Medien wäre diese Megakatastrophe auch ohne die Arbeit von Gewerkschaften und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen gekommen. An der katastrophalen Sicherheitssituation in Bangladeschs Nähfabriken hätte sich jedoch wenig geändert. Es war vor allem die Clean Clothes Campaign (CCC), die gemeinsam mit Partnern in Bangladesch Beweise für die Beziehungen zwischen den Zulieferbetrieben, die in dem Gebäude produziert hatten, und internationalen Textilunternehmen wie Benetton oder KiK sammelte.

Sofort nach dem Einsturz startete die CCC in Europa eine sehr effektive Öffentlichkeitsarbeit. Der Erfolg: Das von lokalen Gewerkschaften, Arbeitsrechtsorganisationen und globalen Gewerkschaftsverbänden entwickelte und juristisch verbindliche Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch wurde von zahlreichen großen Bekleidungsunternehmen unterzeichnet, die Opfer erhielten zumindest ansatzweise eine materielle Ent­schädigung.

In beiden Kampagnen – zum Brand- und Gebäudeschutz wie zur Entschädigung – arbeitete die CCC auf allen Ebenen eng mit Gewerkschaften zusammen. Vor allem in Europa war die CCC dabei die treibende Kraft.

Die Clean Clothes Campaign ist ein internationales Netzwerk, das sich seit über 20 Jahren für die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion einsetzt. In 17 europäischen Ländern gibt es mittlerweile nationale Koalitionen, die die CCC in den jeweiligen Ländern vertreten. In Deutschland nennt sich diese beispielsweise „Kampagne für Saubere Kleidung“, in Österreich „Clean Clothes Kampagne“, in Frankreich „Ethique sur l’etiquette“.

Gemeinsam ist diesen Zusammenschlüssen, dass neben Gewerkschaften entwicklungspolitische, kirchliche und andere Organisationen vertreten sind. Diese haben Kenntnisse und Kontakte, die sich für Gewerkschaften nicht notwendig aus ihrem Kerngeschäft – die Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder – ergeben.

Über die Jahre hat die CCC sehr enge Beziehungen zu Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen in den Produktionsländern aufgebaut und verfügt über eine hohe Expertise auf dem Gebiet der Bekleidungsindustrie. Auf die mit diesen Kontakten und diesem Wissen verbundenen Ressourcen kann die CCC in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Recherche und in Verhandlungen mit Unternehmen zurückgreifen. Sie füllt damit eine strategische Leerstelle, handelt aber in keinem Fall losgelöst von Gewerkschaften.

Vielmehr handelt die CCC in allen wichtigen Fragen mit dem Mandat von Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen in den Produktionsländern, diese sind damit häufig ihre „Auftraggeber“.

Beim Bekanntwerden akuter Arbeitsrechtsverletzungen in Zulieferbetrieben wird die CCC in Form von sogenannten Eilaktionen tätig. Sie setzt sich mit den jeweiligen Unternehmen in Verbindung und fordert sie auf, über das Fabrikmanagement den Anliegen der Beschäftigten vor Ort nachzukommen. Geschieht dies nicht, wird der Fall öffentlich gemacht. Dabei arbeitet die CCC teilweise sehr eng auch mit den hiesigen Gewerkschaften zusammen, z.B. mit engagierten Betriebsräten im Einzelhandel.

Die CCC bittet die Gewerkschaften aber auch in Verhandlungen mit Unternehmen oder bei Gesprächen mit Regierungen um Unterstützung. Diese Aktivitäten können die Organisationsmacht der ArbeiterInnen in den Produktionsbetrieben deutlich vergrößern.

Da es in Ländern wie Deutschland oder Österreich kaum noch Textilproduktion gibt, entstehen für die hiesigen Gewerkschaften in der Solidaritätsarbeit weit weniger Spannungen durch die internationale Konkurrenz als in anderen Bereichen der industriellen Produktion. Dies erleichtert ihre internationale Solidaritätsarbeit im Bereich der Bekleidungsindustrie. 

Frauke Banse koordiniert bei INKOTA in Deutschland die Eilaktionen der Kampagne für Saubere Kleidung.
Weitere Infos: www.cleanclothes.at

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