Lebenserfahrung und Globalisierung

Im internationalen Projekt „Global Generation“ wird vor allem die ältere Generation zur Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen angeregt.

Von Andrea Sommerauer
Globalisierung erleben: internationales Treffen in Berlin.

Achtsamkeit ist eine andere Definition von lebenslangem Lernen“, meint Ulrich. Er ist mit rund 50 Menschen aus Österreich, Deutschland und Ungarn, die alle reich an Lebensjahren und Erfahrungen sind, Anfang Juni in Berlin. Bei einem Workshop, der einem ganz speziellen Austausch dient, und zwar zur Frage: In welcher Hinsicht ist jede/r Einzelne Teil einer „Global Generation“? Wo zeigen sich globale Fragestellungen im Alltag, wo knüpft die eigene Biografie daran an?

„Global Generation“ nennt sich ein Projekt, das sich heuer im dritten Jahr befindet. Die Angebote, die es in Deutschland, Österreich und Ungarn gibt, richten sich an Menschen über 50 und jene, die mit dieser Zielgruppe arbeiten. Es werden Vorträge, Seminare für MultiplikatorInnen, eine Ausstellung sowie eine fünfteilige Workshopreihe angeboten. Unter der Leitung des Berliner Weltfriedensdienstes arbeiten neben der Südwind Agentur die ungarische Organisation BOCS Foundation sowie die Brücke-Most-Stiftung in Dresden mit. Zielgruppe und Name des Projekts sind nicht zufällig gewählt. Gerade Menschen über 50 sind oft nicht in einer „Global Generation“ mitgedacht. Dieses Projekt hingegen will spezielle Bedürfnisse und Potenziale orten und Teilhabe an der globalisierten Welt fördern.

Die Workshopreihen, die seit 2010 jedes Jahr in den drei Ländern stattfinden, sind das Herzstück des Angebots. Unter anderem geht es dabei um Fremdsein und Vorurteile, Migration und Asyl sowie um Zusammenleben und Partizipation in lokalen wie globalen Zusammenhängen. Jeweils ein Workshop pro Jahr wird von TrainerInnen der südafrikanischen Organisation SINANI bestritten. Friedensarbeit steht dabei im Vordergrund. Ein Thema des gemeinsamen Workshops in Berlin war „Wohnen im Alter“. So hat Ulrich in seinem Tiroler Wohnprojekt die Erfahrung gemacht, dass die beste Wohnform jene ist, die verschiedene Formen offen lässt: Einzelzimmer genauso wie Wohnungen für Paare, Wohngemeinschaften und Gemeinschaftsräume. Christa wiederum stellte ein Generationen übergreifendes Wohnen in Hannover vor, das von der Stadtregierung unterstützt wird: „Viele Ältere sind aber nicht gewohnt, in Wohngemeinschaften zu wohnen, sie müssen es erst lernen.“ UngarInnen hingegen erzählten davon, dass Menschen ihre größeren Eigentumswohnungen an Privatgesellschaften verkaufen und stattdessen kleinere, altersgerechtere bekommen sollen, wobei sie leider oft betrogen würden. In Berlin wurde schließlich ein multikulturelles Wohnprojekt besucht: das Rollberghaus in Neukölln, in dem derzeit elf Menschen leben, die miteinander alt werden wollen.

Mit Auslaufen der EU-Förderung im Dezember 2012 gehen fast alle Angebote von „Global Generation“ zu Ende. Die Ausstellung aber bleibt. Sie präsentiert „Lebenslinien. Menschen in Afrika und Europa“ und gibt Eindrücke in den Lebensalltag von 16 Menschen über 50 aus Burkina Faso, Deutschland, Guinea, Österreich, Senegal, Südafrika sowie Ungarn. Im Herbst wird sie im Arbeitsmuseum in Steyr (Oberösterreich) zu sehen sein.

Mehr Informationen:
www.suedwind-agentur.at oder www.global-generation.at

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