Mein Vater, der Entführer

Wie gegenseitiger Austausch den Töchtern und Söhnen von argentinischen Menschenrechtsverbrechern aus der Zeit der Militärdiktatur dabei hilft, das schwierige Erbe aufzuarbeiten, berichtet Jürgen Vogt.

Am 10. Mai zogen 500.000 Menschen protestierend durch Buenos Aires. Eine Woche zuvor hatte der Oberste Gerichtshof entschieden, dass verurteilten Mördern, Folterern und Kindesräubern unter bestimmten Bedingungen Strafnachlass gewährt werden müsse. 350 Schergen, die wegen Verbrechen während der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 verurteilt worden waren, durften plötzlich hoffen, vorzeitig auf freien Fuß kommen zu können.Regierung und Kongress lenkten schließlich ein und verabschiedeten ein Gesetz für Ausnahmen: demnach sei der Strafnachlass „nicht anwendbar bei Menschenrechtsverbrechen, Völkermord und Kriegsverbrechen“.Eine der 500.000 Protestierenden war auch Erika Lederer gewesen. Sie fühlte sich trotz der Massen allein, „denn keine der demonstrierenden Menschenrechtsgruppen repräsentierte mich“,...

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