Metropole, Megacity & Co.

Von Redaktion · · 2012/11

Begriffe und Unterscheidungen

Historisch war eine Metropole die Hauptstadt eines Landes. Heute wird damit in der Forschung meist eine Stadt mit mehr als einer Million EinwohnerInnen bezeichnet.

Die erste Metropole der Neuzeit war London, Anfang des 19. Jh. als Hauptstadt des britischen Empire. Es folgten New York, Paris, Berlin, Wien und Tokio. Um 1900 kannte man etwa 20 Städte, die die Millionengrenze überstiegen, 1950 waren es bereits 70. Im Jahre 2000 existierten etwa 300 Millionenstädte, ein Drittel davon in China.

Eine Megacity ist eine Stadt mit mehr als fünf Millionen EinwohnerInnen. (Für die UNO ist neuerdings erst eine Stadt mit mehr als zehn Millionen eine Megacity. Dies zeigt die relative Beliebigkeit quantitativer Definitionen.) Um 1940 erreichten New York, Tokio, London, Paris und Moskau diesen Status. Mit dem  Ende der europäischen Kolonialreiche entstanden Metropolen und auch Megastädte auf allen Kontinenten. Bis zum Jahr 2000 waren 45 Megastädte bekannt, zwei Drittel davon in der sogenannten Dritten Welt.

Provokant hatte der US-amerikanische Stadtplaner Eugene Grigsby gemeint, Megastädte hätten „mehr miteinander gemeinsam als mit dem jeweiligen Land, in dem sie sich befinden“. Andere haben dieser These widersprochen, etwa der Bochumer Kulturgeograph Dirk Bronger. Er wies auf die gravierenden Unterschiede im Einkommen, den Lebensbedingungen und den Arbeitsprozessen, besonders auf die Bedeutung des informellen Sektors von Städten in reichen bzw. armen Ländern hin.  Andere betonen, dass etwa Kairo oder Dhaka im Vergleich zu Los Angeles richtige „Sparstädte“ seien, was den Flächen-, Energie- oder Wasserverbrauch pro Kopf betreffe.

Neben den rein quantitativen Begriffen Metropole oder Megacity wurde von der Forschung der Begriff Global City geprägt. Er bezeichnet Megastädte, die im Rahmen der ökonomischen Globalisierung internationale Schlüsselstandorte und Drehscheiben von Weltfinanz, Dienstleistungen und Informationsaustausch sind, auch Steuerungszentren der Weltproduktion. Verbreitet, aber doch umstritten ist die These, dass nur drei Megastädte diesen Status innehaben: New York, London und Tokio. Strittig ist, wie weit andere Riesenstädte sehr wohl in den globalen Handel eingreifen, also mit Recht als Weltstädte bezeichnet werden können. Einigen wird zumindest auf regionaler Ebene eine mehr als nationale Bedeutung zuerkannt, etwa São Paulo, Seoul oder Hong Kong. Solche Zuordnungen können angesichts der rasanten Veränderungen gerade im Hinblick auf Stadtentwicklungen nicht viel mehr als Momentaufnahmen sein.   B.P.

Quellen: „Megastädte im 20. Jahrhundert“, Hrsg. Wolfgang Schwentker, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006.
„Mega-Cities“, Hrsg. Peter Feldbauer u.a., HSK12, Brandes & Apsel, Südwind, Frankfurt a.M., 1997. 

Weitere Tipps:

„Kein Gott in Sicht“, Altaf Tyrewald, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2005. Der Roman führt nach Mumbai und erzählt spritzig und ironisch aus dem Leben von Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher und religiöser Zugehörigkeit.

„Meeting Nairobi“, Margit Niederhuber, Heike Schiller und Stephan Bruckmeier, Mandelbaum Verlag, Wien 2012. Einfühlend und respektvoll werden Initiativen aus der kenianischen Hauptstadt auf Englisch, Deutsch und mit eindrucksvollen Fotos vorgestellt. Ein vergleichbares Buch über Maputo, Mosambik, ist derzeit in Vorbereitung.

„City of Men“, Die TV-Serie (auf dvd erhältlich) spielt in einer berüchtigten Favela von Rio de Janeiro. Scharfsinniger Humor gepaart mit schockierend realistischem Blick auf Armut und Kriminalität.

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