Mrs. Sengupta will hoch hinaus

Amit Chaudhuri

Roman. Aus dem Englischen von Barbara Heller. Verlag Blessing, München 2011, 416 Seiten, EUR 22,60

Die Senguptas leben in Bombay, sind Bengalen und Mr. Sengupta arbeitet in der aufstrebenden Firma des britischen Mr. Dyer. Während Mrs. Sengupta als Hausfrau zuhause bleibt und sich um ihren Sohn Nirmalya kümmert, steigt Mr. Sengupta immer weiter die Karriereleiter hinauf. Damit einher gehen nicht nur steigende finanzielle Mittel, sondern auch Prestige und mehrere Umzüge in neuere, schönere und größere Wohnungen.

Während dieser turbulenten und gleichzeitig eintönigen Zeit wird Nirmalya erwachsen und stellt das Leben seiner Eltern kritisch infrage. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen ihm und seiner Mutter ist ihre Liebe zum Singen. So ist das Schicksal des Gesangslehrers und Künstlers Shyamji, der im Schatten seines berühmten Vaters – ein indischer Sänger und Guru – steht, sowie seiner Familie untrennbar mit dem ihren verbunden.

Zwei Welten prallen aufeinander und entführen die Leserin und den Leser in ein Panoptikum der Gegensätze: Tradition und Moderne, Alt und Jung, Reich und Arm, die Senguptas und die Anderen. Der Gesang verbindet diese beiden Gegenpole, allerdings nicht ohne eine gewisse Ironie. So wie eigentlich alles bei den Senguptas ein wenig inszeniert und mit einem großen Augenzwinkern beschrieben wirkt. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und je nach Kapitel wird aus einer anderen Perspektive erzählt. Da die Handlung über mehrere Jahre hin läuft, von Nirmalyas Kindheit bis zu seinem Erwachsenwerden, können die Charaktere gut kennengelernt werden. Als einziges Manko sind die vielen indischen Ausdrücke anzuführen, die für Indien-Unkundige ohne das stete Nachblättern im hinten angefügten Glossar schwer verständlich sind. Dennoch verbleibt der Eindruck: „Mrs. Sengupta will hoch hinaus“ ist eine vergnügliche, quietschbunte Lektüre!
Ruth Papacek

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