Neustart benötigt

Wir brauchen Entwicklungszusammenarbeit. Politikerinnen und Politiker müssen das (wieder) verstehen lernen. Aber nicht nur sie.

Von Richard Solder

Also doch wieder Kürzungen bei der EZA. Die Ankündigung der Bundesregierung, 17 Millionen Euro einzusparen, ist folgenschwer – aber nicht überraschend. Seitdem ich mich mit entwicklungspolitischen Themen beschäftige, hat Österreich staatliche Entwicklungshilfe gekürzt, angekündigte Erhöhungen nicht umgesetzt und schlechte Platzierungen in ländervergleichenden Statistiken eingenommen.

Das offizielle Österreich, das ich kenne, ist ein Land, in dem Engagement im Ausland nie eine große Rolle gespielt hat. Das von Außenminister Sebastian Kurz formulierte Ziel, das Interesse an internationalen Angelegenheiten in der Bevölkerung steigern zu wollen, ist sicher ein richtiger Ansatzpunkt. Es erscheint aus heutiger Sicht aber eine Mammutaufgabe zu sein. Genauso, wie aus Entwicklungszusammenarbeit heutzutage eine Erfolgsgeschichte zu machen.

Bei der Integration ist das ein Stück weit gelungen. Das Thema wurde positiv besetzt, „Diversität“ kam in Mode. Und: Organisationen wurden vom Integrationsstaatssekretariat miteinbezogen, auf vorhandenes Know-how von Initiativen wird zurückgegriffen.

Diese Schritte sollte Kurz bei der EZA genauso gehen. Aber auch die NGOs sind gefordert. Wir müssen raus aus den Ecken, in denen wir es uns in den vergangenen Jahren gemütlich gemacht haben. Eine stärkere Öffnung hin zu Kooperationspartnern außerhalb der Szene kann beiden Seiten etwas bringen. Es muss ja nicht gleich der Großkonzern sein, der nur sein Image in Richtung CSR aufpolieren will.

Es gilt, die Jungen zu erreichen. Die sind heute häufig ganz selbstverständlich international vernetzt. Aber viele von ihnen wissen nicht, wofür Entwicklungszusammenarbeit steht. Sie assoziieren damit Idealistinnen und Idealisten, die von einer besseren Welt träumen, Vereinsmeier, die Abende lang über utopische Manifeste debattieren oder humanitäre NGOs, die einmal zu oft Bilder von hungernden Kindern zeigen, so dass man nur noch wegschauen will.

Oberflächlich betrachtet ist nicht ersichtlich, dass Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit die Themen der Zukunft besetzen: Klimawandel, Migration sowie Arbeit und Wirtschaftspolitik auf der internationalen Ebene gehören dazu.

Das alles in Partnerschaft mit dem Süden, der ein unerschöpfliches Potenzial hat und eine immer wichtigere Rolle spielen wird, auch ökonomisch, wie der UNDP-Bericht 2013 bestätigt.

Die Zahl der Menschen, die ein Umdenken fordern, wächst. Die Ideen sind da, etwa die der „Great Transition“-Bewegung, die einen Übergang hin zu einer nachhaltigen und gerechten Welt anstrebt. 

Entwicklungszusammenarbeit ist jenes Feld, in dem verschiedenste Akteurinnen und Akteure weltweit zusammenarbeiten und Norden und Süden voneinander lernen können. EZA ist kein Auslaufmodell, sondern ein echtes Zukunftsfeld. Das müssen wir allerdings klarer kommunizieren, gerade gegenüber jüngeren Generationen – mit modernen Mitteln, in einer möglichst verständlichen Sprache, und mit einer positiven Herangehensweise.

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