Respekt und Anpassung

Von Brigitte Pilz
Ein Wadi kann als Süßwasserreservoir unter anderem für den Dattelanbau genutzt werden. Das Wadi Tissinnt in Südmarokko bildet den Übergang zur Vollwüste.

Die Sahara hat mit knapp neun Millionen Quadratkilometern fast die Ausdehnung der USA und ist somit die größte Wüste der Erde (sieht man von der Eiswüste Antarktis mit 13 Millionen Quadratkilometern ab). Vor Tausenden von Jahren war auf diesem Gebiet eine Steppe mit lockerem Baumbewuchs. Menschen betrieben Fischfang und badeten in Flüssen, wie Höhlenmalereien belegen. Klimatische Veränderungen ließen ein Trockengebiet entstehen, das sich menschlicher Nutzung zu verschließen scheint. Die Tuareg und andere Nomadengemeinschaften haben die Herausforderung angenommen und leben auch unter sich wandelnden Bedingungen bis heute in der Sahara. Die Anzahl der nomadisch lebenden Menschen ist ungewiss, hat sich aber stark verringert. Weiterhin ziehen große Familienverbände mit ihren Ziegen- oder Schafherden durch die Wüste.

Ein Großteil der NomadInnen ist in den sich aus Oasen entwickelnden Städten sesshaft geworden. Es wurde unumgänglich, neue Jobs zu kreieren. Dennoch haben sich viele als Transportunternehmer ein gewisses Maß nomadischen Lebens erhalten.

Überhaupt haben Motorisierung und Technisierung die Nutzung des Lebensraumes Sahara verändert. Vielerorts hat ein Verdrängungsprozess eingesetzt, besonders dort, wo internationale Player ihre handfesten ökonomischen Interessen verfolgen. Sei es bei der Gewinnung von Bodenschätzen, die die Umwelt nachhaltig schädigt; sei es die Nutzung tief in der Erde liegender fossiler Wasservorräte, die den Grundwasserspiegel sinken und Wüstenbrunnen austrocknen lässt; sei es der Bau riesiger Kraftwerke zur Gewinnung von Sonnenenergie; sei es nicht zuletzt die Ausnutzung der menschenarmen Wüste für illegale Drogen- und Waffentransporte: Die Konkurrenz wird rücksichtslos bekämpft und auf die ansässige bzw. wandernde Bevölkerung kaum Rücksicht genommen.

Die Sahara war nie jene heile Welt, die großstadtmüde TouristInnen in ihr suchten. Heute ist sie es weniger denn je. Bleibt zu hoffen, dass jene, die mit ihrer Lebensweise den rauen Lebensraum respektieren und nicht für Gewinnmaximierung ausbeuten, in den Weiten der Sahara weiterhin ihren Platz und ihr Überleben finden.

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