Solidarität organisieren

Von Brigitte Pilz
Solidarität mit Spaßfaktor: StraßenkehrerInnen am Rande einer Demo in Mexiko.

Gewerkschaften sind Solidargemeinschaften von ArbeitnehmerInnen. Ohne sie wäre der Anteil am Kuchen des Wohlstandes für unselbständig Tätige weitaus kleiner. Trotz ihres gemeinsamen Anliegens und der Organisationsform sind Gewerkschaften höchst unterschiedlich, was ihre Kampfmittel oder ihre Eingliederung in politische Strukturen betrifft. Manche sind kompromiss-, andere konfliktbereiter. Ihre Geschichte und natürlich die demokratischen bzw. autokratischen Bedingungen eines Landes spielen eine Rolle. Häufig erfordert gewerkschaftliche Betätigung viel Mut, sie kann die persönliche Freiheit und Sicherheit gefährden.

Die neoliberale Wirtschaftsentwicklung hat große Veränderungen der Arbeitswelt mit sich gebracht, nicht zuletzt Verschlechterungen für viele unselbständig Erwerbstätige. Der Anteil formal abgesicherter Beschäftigungsverhältnisse sinkt weltweit. In Ländern des Südens steigt die Zahl informell Beschäftigter enorm, seien es HeimarbeiterInnen, MüllverwerterInnen oder BetreiberInnen von Essensständen. Eigentlich sind viele von ihnen UnternehmerInnen ohne jede soziale Absicherung. Auch bei uns hat die Zahl von Ein-Personen-Betrieben stark zugenommen, viele von ihnen würden den Status der Selbstständigkeit sehr gerne gegen einen abgesicherten Job eintauschen. So kommen sie nicht in den Genuss gewerkschaftlicher Errungenschaften wie Mindestlohn, geregelte Freizeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Dies betrifft auch zum großen Teil die „Generation Praktikum“.

Wie kann Solidarität unter diesen Bedingungen organisiert werden? Über Grenzen gehen ist heute die Devise, nicht nur über Länder und Kontinente hinweg. Im Süden werden Zusammenschlüsse informell Tätiger immer stärker und ihre Kooperation mit etablierten Gewerkschaften ebenso. Weltweit nimmt die gemeinsame Aktion von unterschiedlichsten Organisationen der Zivilgesellschaft zu. Vorausschauenden GewerkschafterInnen ist auch die inhaltliche Öffnung wichtig, etwa hin zum Thema „faires und nachhaltiges Wirtschaften“. Die Zukunft der Arbeitswelt hängt von vielen Faktoren ab. Nur mit Solidarität und gemeinschaftlichem Handeln wird sie ein menschliches Gesicht haben.

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