Sri Lankas zwei Wunden

Der Tsunami stellt neben dem Bürgerkrieg eines der beiden großen Traumata in der Geschichte des Inselstaates dar. Andreas Zinggl analysiert die Zeit nach 2004 und die Auswirkungen österreichischer Hilfe.

Alles friedlich? Polizei-Eskorte für eine Zeremonie der Zimt- ZüchterInnen, die einen Teil ihrer Ernte Göttern als Dank für die Erholung von den Folgen des Tsunami widmen. (Aufnahme aus 2007)

Fast 40.000 Menschen starben in den späten Morgenstunden des 26. Dezember 2004 in Sri Lanka. Bei manchen Überlebenden konnten WissenschaftlerInnen später mit bildgebenden Verfahren ein durch den Tsunami ausgelöstes Trauma im Gehirn farblich abbilden – zusätzlich zu dem anderen roten Fleck, jenem aus dem Bürgerkrieg.

Der Inselstaat ist gezeichnet von dem insgesamt 25 Jahre andauernden Konflikt, der viel mit der Kolonialgeschichte und einer unglücklichen Minderheitenpolitik der Regierungen in Sri Lanka zu tun hat. Die Minderheit der Tamilen kämpfte für ihre Unabhängigkeit, allen voran die paramilitärische Organisation „Tamil Tigers“. Die Regierungstruppen wollten den Staat zusammenhalten. UNO-Schätzungen zufolge forderte der Bürgerkrieg 100.000 Todesopfer.

2009 fand der Krieg durch einen militärischen Sieg der Regierungstruppen ein Ende. Ein verlässlicher Frieden wurde dabei nicht erreicht. Denn was übrig blieb, ist ein autoritärer Staat, in dem Minderheitenrechte weniger gelten als vor dem Bürgerkrieg.

2004, nach dem Tsunami, war die internationale Spendenbereitschaft groß. Vielen Menschen war Sri Lanka, trotz Bürgerkrieg, als beliebte Reisedestination bekannt, in all ihrer Farbenpracht, mit idyllischen Sandstränden und malerischen Landschaften. Die Betroffenheit der Menschen drückte sich in Geld- aber auch Sachspenden vom Wollpullover bis zum Teddybären aus. Vieles stellte, obwohl gut gemeint, vor allem einen logistischen Aufwand dar.

Das offizielle Österreich half auch: Rund um die im Süden Sri Lankas gelegene Stadt Galle bereitete etwa das österreichische Bundesheer insgesamt zwei Millionen Liter Trinkwasser auf. Sämtliche Trinkwasserbrunnen entlang der Küste waren nämlich im Zuge der Katastrophe von Salzwasser kontaminiert. Wertvolle Dienste leisteten auch die ÖBB bei der Reparatur einer wichtigen Bahnlinie. Bereits nach sieben Wochen fuhren wieder die ersten Züge.

Trotz allem blieb der Erfolg der offiziellen Hilfe aus Österreich überschaubar: Von den vom Bund versprochenen 34 Millionen Euro Tsunamihilfe wurde nur ein Viertel ausgegeben. Der hohe Anteil an Reisespesen und Personalkosten darin ließ sich dabei trotz parlamentarischer Anfragen bis heute nicht gänzlich nachvollziehen.

Vorschläge, sich bei der Tsunami-Hilfe durch die Bundesregierung auf bewährte Institutionen wie die Austria Development Agency (ADA) zu verlassen, blieben ungehört. Die Idee, die privaten Spendergelder an Hilfsorganisationen einfach zu verdoppeln, ebenso. Das ist schade, wenn man bedenkt, dass diese viele ihrer Projekte umsetzen konnten und tausende Häuser errichtet, Einkommen generierende Begleitprojekte realisiert und Schulen wieder aufgebaut haben.

Die roten Flecken, die die Forscher mit ihren bildgebenden Verfahren als Folgen des Tsunami entdeckten, haben sich mittlerweile vielleicht etwas verkleinert. Die Kriegsfolgen allerdings, die werden wohl noch die nächsten Generationen spüren.

Andreas Zinggl, Ö1-Radiojournalist und Caritas-Katastrophenhelfer, verfolgt seit Beginn der 1990er Jahre die Entwicklungen in Sri Lanka intensiv und bereiste den Inselstaat mehrfach.

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