Teuflische Schatten. Zwei Frauen gegen die Mara Salvatrucha

Andreas Böhm

Roman. Horlemann Verlag, Berlin 2011, 298 Seiten, € 20,50

Andreas Böhm hat ein höchst bemerkenswertes Buch über die Geschichte einer jungen Guatemaltekin geschrieben, die geprägt ist von der „Mara Salvatrucha“, einer der beiden großen und berüchtigten Jugendbanden Zentralamerikas.

Bereits Sandras Kindheit und Jugend sind bestimmt von den Versuchen, aus der Gewalt, die innerhalb der Familie herrscht, auszubrechen. Sie ist die erste Tochter einer alleinerziehenden Mutter. Immer wieder hält diese Sandra vor, ihr Leben zerstört zu haben, besonders wenn sie wieder einmal getrunken hat. Sandra rebelliert und entzieht sich mehr und mehr dem Zugriff ihrer Mutter.

Als sie beginnt, sich für Burschen zu interessieren, sucht sie, wie alle Jugendlichen in ihrem Alter, nach Vertrauen, Zuneigung und Liebe, Gefühle, die sie zu Hause nie erfahren konnte. Einer der Jungen aus ihrer Umgebung hat es ihr besonders angetan: der eher unscheinbare Tino. Bereits nach der ersten kurzen sexuellen Begegnung ist Sandra schwanger. Die Mutter lehnt Tino vehement ab, weil er ein „Marero“ ist, Angehöriger der Jugendbande „Salvatrucha“, die sich vor allem mit Schutzgelderpressungen in der Nachbarschaft sowie dem Waffen- und Drogenhandel beschäftigt.

Im Laufe der Zeit lernt Sandra die Brutalität, die die soziale Struktur und den Alltag der „Mara“ prägt, aus nächster Nähe kennen. Viele der Menschen, von denen Sandra in dem Buch erzählt, verlieren im Lauf ihrer Geschichte ihr Leben. Tino entpuppt sich Sandra gegenüber als gewalttätiger Partner. Trotzdem wird sie insgesamt drei Kinder mit ihm bekommen.

Andreas Böhm ist es mit diesem Buch gelungen, die Geschichte und den Lebensweg einer jungen Frau aus ärmlichen Verhältnissen, eingebettet in die sich in Guatemala tagtäglich weiterdrehende Gewaltspirale, auf eine sehr sensible und differenzierte Art und Weise darzustellen. Ohne in die herkömmlichen Gut-Böse-Schemata zu verfallen, lässt er Sandra ihre Erfahrungen mit Perspektivenlosigkeit und sozialer Ausgrenzung erzählen, und bringt so auch den europäischen LeserInnen die Ohnmachtsgefühle, aber auch die Hoffnungen, die das Leben vieler GuatemaltekInnen heute prägen, näher. Für all jene, die hinter die Kulissen der Schreckensmeldungen über rekordverdächtige Mordraten in Guatemala blicken wollen, ist dieses Buch ein Muss.
Christina Buczko

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