Teilen, tauschen, reparieren

Von Redaktion · · 2015/03

Man kennt das beim Mobiltelefon: Irgendwas funktioniert nicht, man geht zum Betreiber-Shop. Dort sagen die, das ist ein Herstellerproblem, die Software ist schuld. Man geht zum Hersteller-Shop und bekommt die Auskunft: Der Provider ist schuld, ein Betreiberproblem. Mit all dem wird jetzt Schluss sein, wenn sich das Prinzip „Teilen – Tauschen – Reparieren“ flächendeckend durchgesetzt hat.

Es ist ja auch wirklich sinnvoll, was sich da jetzt in der alternativen Szene immer mehr verbreitet: Reparatur-Cafés, Car-Sharing und Tauschbörsen tragen wesentlich dazu bei, dass der Ressourcenverbrauch eingeschränkt wird. Die digitale Vernetzung macht‘s möglich, der mangelnde Platz in den Städten fordert es heraus. Gemeinschaftsküchen werden kommen, Zahnbürsten-Sharing hoffentlich nicht.

Teilen und Tauschen finde ich sympathisch. Ich tausche jederzeit mein kaputtes Fahrrad gegen ein funktionierendes Auto. Mein Problem ist das Reparieren. Die Kinder in den Elendsvierteln von Nairobi oder Quito können dafür aus scheinbar Unbrauchbarem Neues schaffen. Sie bauen aus alten Blechdosen kleine Rallye-Autos und aus Abflussrohren Blasinstrumente. Aber bei mir, einem akademisch gebildeten Mitteleuropäer, war bei Techniklego Schluss mit Basteln. Nein, stimmt nicht ganz: Topflappenhäkeln hab ich gelernt und in der 7. AHS mussten wir ein Lesezeichen flechten! Das hilft mir heute ungemein, wenn es darum geht, ein Mobiltelefon wiederherzustellen! Derzeit stehen auf meiner Liste aber zusätzlich noch zwei Staubsauger, eine Hifi-Box und ein Wecker.

Vielleicht sollte ich in Kuba Nachhilfe nehmen. Dort fährt man angeblich mit Autos, die noch von Kolumbus stammen  – aber sie funktionieren, weil man sie immer wieder repariert hat. Mir fehlen ja oft schon die Vokabel, um etwa einer Elektronikfachhändlerin oder einem Computerfachmann zu erklären, was das Problem ist. Ich fühl‘ mich dann manchmal wie in einer Bäckerei, in der ich mühsam nach Worten ringe und gerade noch herausbringe: „Ich brauche was für den Mund.“  Nein, keine Zahnspange, eine Semmel wär’s gewesen. 

Georg Bauernfeind ist Humorist und Liedermacher. Seine neue CD heißt „Vorsorgelieder und Zukunftsmusik“ und kann hier bestellt werden: www.austrianworldmusic.at

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