Die Redaktion empfiehlt

Theorie für die Praxis

Wie die „Imperiale Lebensweise“ Mensch und Natur schädigt und dennoch global begehrt wird.

Der SUV, auch im Buch Thema, ist ein Symbol für eine imperiale Lebensweise, die nur dadurch funktioniert, dass sie nicht für alle möglich ist.© Fotolia

Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie. Ob dieser Satz dem Philosophen Immanuel Kant oder dem Gestaltpsychologen Kurt Lewin zugeschrieben wird: Er passt auf jeden Fall auf das – in Hinblick auf seine Themenstellung – schlanke Werk von Ulrich Brand und Markus Wissen.

Den Autoren gelingt es, den mannigfaltigen aktuellen Formen alternativer, solidarischer Praxis ihren Platz und ihren Stellenwert innerhalb der Entwicklung, Transformation und eventuell sogar Überwindung des Kapitalismus zuzuweisen. Ausgangspunkt und Herzstück der Analyse von Brand und Wissen ist der Begriff der „imperialen Lebensweise“. Damit ist eine Produktions- und Konsumptionsweise gemeint, die auf der „Externalisierung ihrer sozial und ökologisch problematischen Voraussetzungen und Konsequenzen beruht“: „Sie produziert systematisch schlechte Arbeitsbedingungen und Ausbeutung, autoritäre politische und gesellschaftliche Verhältnisse, prekäre Lebensbedingungen und ökologische Zerstörung.“

Diese imperiale Lebensweise breitet sich mit fortschreitender kapitalistischer Durchdringung global aus. Obwohl sie auf Grund sozial-ökologischer Grenzen keinesfalls für alle Menschen erreichbar ist, gilt sie dennoch unhinterfragt als normal und dient auch im globalen Süden als Fortschritts- und Entwicklungsversprechen.

Kapitalismus vs. Transformation. In einer Gegenwart multipler Krisen des Kapitalismus gehen die Autoren der Frage nach, wie der Kapitalismus in seinem Kampf um dauerhaften Bestand wieder einmal um Weiterentwicklung ringt – etwa in Richtung eines grünen Kapitalismus. Demgegenüber stellen sie die Bestrebungen einer kritisch-emanzipatorischen Transformation – Praxisformen, die bereits existieren.

Zentral dabei ist der Abbau sozialer Herrschaft, wodurch auch zerstörerische Naturverhältnisse beendet werden. Viele Alternativen sind unspektakulär und ihre Wirkung wird erst die Geschichte zeigen. „Zukünftiges kann nie als Masterplan entstehen, sondern muss sich im Horizont einer anderen, besseren Welt schrittweise entwickeln.“ Höchste Empfehlung besonders für alle, die sich für eine bessere Welt engagieren.    ki

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