Timor-Leste: Langer Weg zur Unabhängigkeit

Streit um Ressourcen: Ein Aktivist sprüht seinen Protest gegen Australiens zögerliche Verhandlungsbereitschaft an die Wand der australischen Botschaft in Timor-Lestes Hauptstadt Dili. Antonio Dasiparu / EPA / picturedesk.com

Im Jahr 1515 landeten die Portugiesen erstmals auf Timor und gründeten später die Kolonie Portugiesisch-Timor. Erst die Nelkenrevolution in Portugal 1974 rückte die Unabhängigkeit für Timor-Leste in greifbare Nähe. Nach bewaffneten Konflikten zwischen den beiden größten der frisch gegründeten Parteien, FRETILIN („Frente Revolucionária do Timor-Leste Independente“) und UDT („União Democrática Timorense“), erklärte die als Sieger hervorgegangene FRETILIN das Land 1975 für unabhängig.

Nur neun Tage später annektierte Indonesien Timor-Leste, was von einigen Ländern, allen voran den USA und Australien, aus Angst vor einer weiteren kommunistischen Regierung zumindest geduldet wurde. Die Besatzung sollte 24 Jahre dauern und war von Gewalt geprägt, auch wenn die kolportierten Zahlen zu den Todesopfern weit auseinanderklaffen (zwischen 200.000 und 800.000).

Nach dem Tod des indonesischen Diktators Suharto 1998 begannen erneut Verhandlungen über den Status Timor-Lestes. 1999 sprachen sich 78 Prozent der Bevölkerung in einem Referendum für eine Unabhängigkeit von Indonesien aus. Indonesische Soldaten und pro-indonesische Milizen reagierten mit Gewalt auf das Ergebnis, woraufhin die Vereinten Nationen eine Friedensmission entsandten und interimistisch die Verwaltung des Landes übernahmen.

Die endgültige Unabhängigkeit und die Aufnahme in die Vereinten Nationen erfolgten dann 2002, danach kam es aber immer wieder zu eskalierenden Konflikten. 2006 führten Massenentlassungen des Militärs zu Unruhen mit dutzenden Todesopfern und mehr als 150.000 Flüchtenden. Erneut wurden internationale Soldaten entsandt und eine UN-Mission ins Leben gerufen – UNMIT blieb nach einer Mandatsverlängerung bis Ende 2012 im Land.

Bei den Wahlen 2007 setzte sich der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Widerstandskämpfer, José Ramos-Horta, der als parteiloser Kandidat antrat, in der Stichwahl durch und wurde Präsident. Die FRETILIN fand trotz Mehrheit der abgegebenen Stimmen keinen Regierungspartner. Eine Vier-Parteien-Koalition ohne sie wurde gebildet und Xanana Gusmão zum Premierminister ernannt.

2008 kam es zu einem versuchten Staatsstreich, bei dem Ramos-Horta schwer verletzt wurde. Nach dessen Scheitern brach die Rebellenbewegung zusammen und das Land wurde zunehmend stabiler.

Xanana Gusmão, dessen Spitzname sich angeblich an die US-amerikanische Band „Sha Na Na“ anlehnt, hatte 17 Jahre lang im Untergrund gegen die indonesische Besatzung gekämpft. 1992 wurde er verhaftet und verbrachte daraufhin fast sieben Jahre im Gefängnis bzw. in Hausarrest im indonesischen Jakarta. Nach seiner Freilassung trat er stets für einen friedlichen Neuanfang ein, was nicht nur Befürwortung fand. 2002 wurde er zum ersten Präsidenten Timor-Lestes nach der Unabhängigkeit, nach den Wahlen 2007 und 2012 jeweils Premier. cbe

nach oben