Vor dem Nichts

Makopano Thelejane hat früher Gemüse aus dem eigenen Garten verkauft. Heute kann sie sich die nötigen Samen nicht mehr leisten. Ohne Einkommen weiß sie nicht, wie es weitergehen soll. Der bürokratische Kampf um ihr Recht ist m© Tobias Pilz

Makopano Thelejane ist eine der Witwen, die ihre Männer beim Massaker von Marikana verloren haben. Am 16. August 2012 waren bei der Niederschlagung eines Streiks im Norden Südafrikas 34 Minenarbeiter erschossen worden. Sie hatten vom Betreiber der Platinmine, Lonmin, höhere Löhne gefordert.

Da ihr Mann über einen Subunternehmer angestellt war, erhielt Makopano Thelejane keine Entschädigung durch den Konzern. Etwas Unterstützung kam von der Gewerkschaft. Drei Jahre später bekomme sie nichts mehr, erzählt sie – weder von der Gewerkschaft, noch von Lonmin, noch vom Staat.

© Tobias Pilz

Das Geld von der Gewerkschaft floss in die Fertigstellung des kleinen Hauses, in dem Makopanos Sohn Kopano mit seiner Familie lebt. Gibt der Lonmin-Konzern ihm die Möglichkeit, den Arbeitsplatz seines Vaters zu übernehmen, wird er in die Minen gehen – obwohl seine Mutter die Firma für den Tod ihres Gatten verantwortlich macht.

Größter Abnehmer des Lonmin-Edelmetalls ist das Chemie-Unternehmen BASF. Ende April trat der südafrikanische Bischof Jo Seoka bei dessen Aktionärsversammlung in Mannheim auf und forderte den Vorstand auf, Verantwortung zu übernehmen. BASF solle 3,4 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen einzahlen. Der Vorstandsvorsitzende Kurt Bock antwortete, Urteile aus der Distanz fielen schwer, zudem müssten diese Dinge zuerst in Südafrika geklärt werden.

Die offizielle südafrikanische Untersuchungskommission zum Massaker von Marikana hat ihren Abschlussbericht Ende März dem Präsidenten Jacob Zuma überreicht. Ob er veröffentlicht wird, ist unklar.

Text und Fotos: Tobias Pilz

Tobias Pilz ist Künstler und Fotograf und lebt in Wien. Im Jänner und Februar bereiste er Südafrika. www.tobiaspilz.net

nach oben