Wer sitzt am Steuer?

Petra Navara

Eines vorweg: dies ist keine Debatte über die Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit der Entwicklungszusammenarbeit. Es geht ums „Wie“, speziell darum, wer Entscheidungen fällt, Arbeitsweisen bestimmt und Verantwortung trägt. Sitzt der Partner heute „in the driver’s seat“, wie die Parole vor 20 Jahren lautete, oder sind es noch immer „die Geber“, die das Entwicklungsvehikel steuern?

Wenn ich mir die Realität in Uganda vor Augen führe, kann ich keine eindeutige Antwort geben: Die Regierung will mit einem Weltbankkredit Investitionen tätigen. Die Weltbank liefert Konsulenten. Das Ministerium für Transport wünscht sich Finanzierungsmittel für die Wiederinstandsetzung der Eisenbahn, die EU baut Straßen. Eine Gemeinde benötigt Sanitäranlagen und bekommt eine Kampagne für das Händewaschen finanziert.

Die EZA ist eben kein Wunschkonzert. Wofür die Mittel eingesetzt werden, wird verhandelt. Am Ende kommt es wohl so, wie es ins Programm der Geber passt. Diese sind von äußeren Zwängen getrieben: NGOs sind bestimmt von den Vorgaben öffentlicher Fördergeber; staatliche Geber von der Gemeinschaft der EU-Mitglieder und die EU von den multilateralen Institutionen. Alle unterliegen einem Struktur- und Rechtfertigungszwang. Vielleicht suchen sich die Partner die falschen Anbieter aus, aber nur wenige Geber sind flexibel genug, um den Partnerwünschen voll zu entsprechen.

Soweit dazu, was finanziert wird. Und das „Wie“? Denkkonzepte wie Logframes und Wirkungsketten, Timetables und Methodenkoffer pressen Entwicklungsvorhaben in ein westliches Korsett. Die Denkmuster der Partner finden sich höchstens in den Projekten von NGOs wieder. „Ohne Kassenbücher ist keine Zivilisation möglich“, zitiert Henning Mankell seinen Protagonisten, einen Kolonialherren aus Portugal. In diesem Geiste haben wir unserer Entwicklungszusammenarbeit eine Bürokratie verordnet, die jenseits ihrer Relevanz enorme Kapazitäten frisst.

Sitzen die Partner nun am Steuer? Wir sind den Partnern entgegen gegangen – ohne Zweifel –, verschanzen uns aber allzu oft auf halbem Weg hinter Regelwerken, hinter denen eine gefährliche Haltung stehen kann: Nehmen wir für uns in Anspruch, zu wissen, was richtig für die Partner ist? Dabei schaffen wir es nicht, unsere Dogmen für Entwicklung selbst zu leben. Wir propagieren Nachhaltigkeit und zelebrieren Kurzsichtigkeit. Wir verordnen Sparsamkeit und prassen in Verschwendung. Wir schreiben „Good Governance“ auf unser Banner und lassen die frechsten Bankbetrüger frei herumlaufen.

Dies ist keine Debatte über die Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit der Entwicklungszusammenarbeit. Es geht ums „Wie“. Mehr Mittel, flexiblere Programme, mehr Vertrauen und mehr Ehrlichkeit wären gute Voraussetzungen dafür, entspannt am Sozius zu sitzen und auch ans Ziel zu kommen.

Petra Navara ist langjährige Praktikerin in der Entwicklungszusammenarbeit und lebt derzeit in Kampala, Uganda. Abwechselnd mit Friedbert Ottacher und Thomas Vogel setzt sie sich an dieser Stelle kritisch mit Theorie und Praxis dieses Arbeitsfelds auseinander.

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