Gekommen, ankommen, bleiben?

Warum es nicht immer einfach ist, sich Zuhause zu fühlen. Rede für den mehrsprachigen Redewettbewerb „Sag's Multi" 2020. Von Burte-Ujin Otgonkhuu

Wie viele kommen? Woher kommen sie eigentlich? Тэд нар заавал энд ирэх ёстой байсан юм уу? Ich sitz‘ in der Schule lieber neben einem von uns als neben einem von denen.“ Das alles haben wir sicherlich schon gehört, vielleicht sogar gesagt. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, was ist es, das Menschen dazu führt, so zu denken? Meist haben die Menschen aus den verschiedensten Gründen etwas gegen alles und jeden, das oder der nicht der gewohnten Umgebung entspricht. Die sogenannte Rassendiskriminierung ist die Folge. Rassistische Kommentare, abwertende Bemerkungen über Flüchtlinge und Fremde. Ихэнхдээ уураа барьж, чимээгүй байдаг.

Ich, Бөртэ-Үжин Отгонхүү, bin vor 5 Jahren hierher nach Österreich gekommen. Ich bin angekommen. Ich bin geblieben. Doch es war nicht immer leicht, sich hier anzupassen, sich Zuhause zu fühlen oder einfach akzeptiert zu werden. Шинэ оронд, шинэ сургуульд хэнийг ч танихгүй байх нь нэг л өөр ертөнцөнд ирсэн ч юм шиг. Та төсөөлөөд үз дээ! Тэс өөр ёс заншилтай, ус агаартай, хэзээ ч өмнө нь сонсож үзэж байгаагүй хэл бичиг үсэгтэй газар хэнийг ч ойлгохгүй танихгүй байх төсөөлж байгаагаас ч илүү хэцүү. Миний харж байсан бүх зүйл танил биш бас айдас түрүүлэм байсан.  Und doch sah ich in diesem wuchernden Wald aus Veränderung, Angst und Fremdheit einen Hoffnungsschimmer. Einen Hoffnungsschimmer mit dem ich glaubte, die Furcht und das Fremde überwinden zu können. Би бүгдийг даван туулах болсон. Яагаад гэвэл ямар ч эргэлт  буцалт байгаагүй.  Bald aber schon musste ich an meinem eigenen Hoffnungsschimmer zweifeln. Da ich das Gefühl hatte, anders als andere zu sein. Ich wurde immerzu analysiert und beobachtet. Ich wurde zum umstrittenen Gesprächsthema. In allem, was ich tat und sagte, wurde zu viel hineininterpretiert. Ich musste mir immer wieder, jeden Tag aufs Neue, eine rassistische Bemerkung gefallen lassen. Dadurch hatte ich kein Selbstvertrauen mehr, би ямар ч өөртөө итгэлгүй, ичэмхий болсон.

Anzukommen fiel nicht nur mir schwer, sondern auch vielen anderen, weil sie stark diffamiert worden sind Polen als Polaken, Russen als Iwans, Asiaten als Schlitzauge und eben Flüchtlinge als Asylbetrüger. Es stellt sich also die Frage „Wieso?“. Wieso verurteilen wir unsere Mitmenschen? Ялгаварлан гадуурхах үзэл нь зөвхөн сэтгэл санааны дарамт биш, харин эхлээд бодол, үг, үйлдлээрээ илэрхийлэгддэг. Энэ бол маш аюултай, буруу зүйл тул бид бүгдээрээ үүнийг нийгмээсээ хөөх зорилготой байх хэрэгтэй. Ялгаварлан гадуурхах нь үзэл бодол биш, харин гэмт хэрэг юм. Es handelt sich um ein strukturelles Problem, von dem die gesamte Gesellschaft betroffen ist. Rassismus ist dabei kein „einfaches“ Mobbing, denn Rassismus beruht auf einem realen Machtunterschied in unserer Gesellschaft. Үүний урьдчилсан нөхцөл нь хүмүүсийг гаднах эсвэл соёлын шинж чанарын дагуу "бид" ба "бусад" гэж хуваагддаг. Тэд нар бид нараас өөрсдийгөө илүү гэж боддог. Doch die Verschiedenheit von uns Menschen ist etwas, das wir auch sonst im Alltag Stück für Stück lernen und schätzen müssen. Neue Menschen machen nur so lange Angst, so lange ich sie nicht persönlich kenne. Deshalb braucht es ein neues Zugehen aufeinander, dann sind es eben nicht mehr die da, sondern konkrete Du’s!

Wenn wir über Rassismus sprechen, zeigen viele auf die rechtsradikale Szene oder verweisen auf die Geschichte. Doch die Abwertung von Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe geschieht mitten unter uns. Alltagsrassismus ist kein Randphänomen und kann überall stattfinden: in der Schule, am Arbeitsplatz, im Straßencafé und auf jeder beliebigen Geburtstagsparty. Und manchmal sind wir es selbst, die Menschen diskriminieren, oft ohne, dass es uns bewusst wird. Бид ямар ч гэм зэмгүй хүмүүсийг санамсаргүй гомдоож, гадуурхаж „тэд нар“ л гэсэн бодол санаа толгойд эргэлддэг.

Meine Kritik an den rassistischen Strukturen unserer Gesellschaft hat Bestand, weil meine individuellen Erfahrungen im Grunde nicht individuell sind. Im Gegenteil, mein Erleben als Asiatin in dieser Gesellschaft teile ich, mit anderen asiatischen Menschen hierzulande. Was mir widerfahren ist und noch immer widerfährt, ist und wird unzähligen anderen auch widerfahren. Ялгаварлан гадуурхах нь зөвхөн хувь хүний асуудал биш харин олон нийтийг мөн цаашлаад улс орныг хамаарах асуудал.

Rassismus ist meine alltägliche Realität. Meine Erfahrungen, die mich bis in die Gegenwart begleiten und prägen, die meinen gesamten Alltag durchziehen, sind keine Lernangebote für Andere. Schließlich ist Rassismus kein schönes Thema. Rassismus ist Ausgrenzung. Rassismus ist, sich selbst in einer Stadt wie Wien nicht frei bewegen zu können. Rassismus ist Versklavung. Rassismus ist beschimpft werden. Rassismus ist als kriminell wahrgenommen werden. Rassismus ist Gewalt. Rassismus ist die Norm und allzeit präsent. Rassismus ist Benachteiligung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt. Rassismus ist andauernde Entmenschlichung. Ich muss meinen eigenen Schmerz, meine alltägliche Ausgrenzung nicht wieder und wieder zur Verfügung stellen, um für andere Räume des Lernens zu ermöglichen. Meine Erfahrungen teile ich mit euch, um euch einmal mehr wissen zu lassen, dass sie nicht allein sind, dass wir nicht allein sind.

Liebes Publikum, Ich frage euch, ist auch nur einer dieser Rassisten, wahrhaftig ein solcher? Mit wahrhaftig meine ich. Mit Hass. Mit Aggression. Nein. Zwar wird das manchen später in die Wiege gelegt, doch geboren werden wir alle gleich. Als gleichberechtigte, ebenbürtige Menschen, die einander mit Respekt entgegenkommen sollten. Jahrhunderte lang hat nun dieses eine einzige, so sinnlose Problem Millionen von Menschen das Leben schwer gemacht. Man möge meinen, die Welt sei nach all den Kriegen, Katastrophen und unzähligen Aufständen nachdenklicher, klüger, einfach ein Stückchen besser geworden. Wir würden an dieser Stelle gerne sagen können das entspricht der Wahrheit. Doch wir wissen leider alle zu gut, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, dass es nicht so ist. Warum nicht? Хүмүүс яагаад энийг ойлгохгүй байгаа юм бэ? Beantworten können wir das nicht. Wir können nur weiterhin um uns blicken und den Kopf schütteln. Wohin auch immer wir nämlich unsere Blicke richten, wir sehen in dieser Welt immer noch das Gleiche. Überall Diskriminierung. Überall Rassismus. Überall Hass. Überall Dummheit. Сүүлийн жилүүдэд ялгаварлан гадуурхах хандлага нэмэгдэж байгааг харахад миний урам хугарч, сэтгэл өвдөж байна.  Es ist Zeit, das alles zu beenden. Denn das, was uns ausmacht, ist unsere Menschlichkeit, durch die wir Mitgefühl und Liebe gegenüber anderen zeigen kann. Es sollte uns egal sein, weil uns unsere Menschlichkeit ausmacht. Es sollte uns egal sein, ob wir „neben einem von denen“ oder „einem von uns“ sitzen. Ich habe es geschafft, mich zu akzeptieren. Ich trage meinen Charakter und meine Persönlichkeit mit Stolz und das ist das Wichtigste. Wenn wir uns selber nicht akzeptieren können, können wir auch nicht von anderen erwarten, uns zu akzeptieren. Fang an dich so zu zeigen, wie du bist. Fang an dich zu akzeptieren, wie du bist. Fang an dich selbst zu lieben!!

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