Betrifft: Heft 3/2001

Von Herbert Faltynek
Danke für den Artikel über das Volk der Mosuo in China.
Erst am Schluß wurde ich aufmerksam darauf, daß es sich um einen Südwind-Text handelte. Dies bestätigte meine vor einiger Zeit getroffene Entscheidung dieses Magazin abzubestellen.
Ich meine nämlich, daß ein Bericht über etwas gesellschaftspolitisch dermaßen Wesentliches wie die Noch-Existenz von matriarchalen Lebensstrukturen nicht den Ausdruck der Wichtigkeit von Aktivitäten eines Briefmarkensammler-Clubs haben sollte. Vielmehr sollte ein etwas vertieftenderer Aufsatz über die Entstehung von Gewalt und Privatbesitz durch die dem Menschen aufgezwungene Zwangsmoral in patriarchalen Strukturen geschrieben werden. Und dies als Leitartikel-Thema. Immerhin ist die Quasi-Nichtexistenz von Depression, Selbstmord, Homosexualität, Gewalt, Ausgrenzung bzw. Diskriminierung von schwachen Mitgliedern der Gesellschaft eine so essentiell bedeutungsvolle Eigenheit ebenso wie das Vorhandensein von sexueller Zufriedenheit von Kindheit an, der sehr achtungsvolle Umgang der Menschen mit ihrer Umwelt. Immerhin setzten die Mosuo ein Fahrverbot für Motorboote auf dem Lugu-See durch und das, ohne vom bereits vom Tourismus allzusehr geplagt zu sein.
Diese in ihrer Sexualität für unsere Begriffe sehr freizügig lebenden Menschen zeigen uns in erstaunlich selbstregulierender Art, daß glückliches Leben mit oder sogar wegen natürlich gelebter Triebhaftigkeit sehr wohl möglich ist - entgegen den immer wiederkehrenden, angstmachenden Behauptungen von Moralpredigern unserer "Zivilisation".
In diesem Sinne wäre eine gründlichere Erarbeitung des Themas "Land der Frauen" fast Verpflichtung und ich würde dann gerne eine eventuelle Ausgabe von Südwind zugesandt bekommen und erwerben.
MfG.

Herbert Faltynek
1030, Göllnerg.27/10
faltynek@gmx.at

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