Eine andere Welt ist möglich

Südwind feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag: Warum es die Organisation 2019 erst recht braucht. Von Renate Sova

Südwind bietet seit 40 Jahren eine Gegenstimme gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Gemeinsam mit vielen anderen NGOs und Individuen haben wir uns der „Weltverbesserung“ verschrieben. Wir, die wir uns ehrenamtlich oder hauptamtlich im Südwind engagieren, wollen ein gutes Leben für alle erreichen, und zwar unabhängig vom Kontinent, auf dem wir leben und woher wir kommen. Es ist wichtig, dass wir ein Gegenmodell bieten für eine bessere und gerechtere Welt – gerade jetzt, wo die Rahmenbedingungen ungünstiger scheinen. Wir wollen den Glauben daran stärken, dass unsere Welt gestaltbar ist und sichtbar machen, dass wir Teil einer aktiven Zivilgesellschaft sind, die die Welt verändert.

Unsere Aufgabe ist es seit 40 Jahren, den Zusammenhang zwischen globalen Ereignissen und lokalen Auswirkungen aufzuzeigen. Und bei den wirtschaftlich und politisch Verantwortlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschafts- und Arbeitsbedingungen einzufordern, die allen Menschen dieser Welt ein gutes Leben ermöglichen. Es ist die Utopie einer besseren Welt, die uns die Kraft dazu gibt.

Global lernen, fair handeln. Südwind hat das Konzept und die Methoden des Globalen Lernens in Österreich und vielen Ländern Europas maßgeblich mitgeprägt. Globales Lernen ist ein Stützpfeiler im Unterricht im Umgang mit komplexen globalen Themen geworden. Inzwischen lernt jedes Schulkind in Österreich über die Grundzüge des Fairen Handels und damit auch über die unfairen Produktionsbedingungen bei Kakao, Banane oder Baumwolle. Ausgehend von der Lebenswelt der SchülerInnen erarbeiten wir mit ihnen Themen und Handlungsalternativen, um sie zu stärken in ihren Möglichkeiten, sich in die Gestaltung unserer Weltgesellschaft einzubringen.

Wenn ich heute im Rahmen eines Südwind-Workshops in eine Schule komme, wissen bereits die meisten Kinder und Jugendlichen über Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen in den Nähereien und auf den Feldern Bescheid. Das ist nach meinem Erachten ein Erfolg unserer jahrzehntelangen Bildungsarbeit und Kampagnentätigkeit.

Südwind macht Kampagnen rund um die Arbeitsbedingungen in der Produktion von Schuhen, IT & Handys, Orangen, Bananen, Kakao und vieles mehr. Ab 2001 wurden, gemeinsam mit Fairtrade Österreich, die „Fairen Wochen“ in allen Bundesländern durchgeführt. Jedes Jahr gehen hunderte AktivistInnen von Südwind österreichweit zu entwicklungspolitischen Themen mit medienwirksamen Aktionen auf die Straße. All dies fand großes Echo in der Bevölkerung und den Medien. Auch die Clean Clothes Kampagne hat sich zu einem Dauerthema entwickelt.

All diese Südwind-Kampagnen  sind als permanente Kritik an der herrschenden Weltwirtschaftsordnung von enormer Bedeutung. Sie schaffen Bewusstsein für Unrecht und bieten der und dem Einzelnen die Möglichkeit, aktiv zu werden!

In den vergangenen 40 Jahren ist die Globalisierung vorangeschritten, die Welt ist näher zusammengerückt, Auswirkungen aus globalen Ereignissen treffen unmittelbarer bei uns ein.

Am Ball bleiben. Ich denke, ohne Südwind und ähnliche NGOs und Initiativen wären die Konzerne noch mächtiger, die Desinformation noch größer und die Vernetzung derer, die sich konstruktiv für eine Verbesserung in der Welt einsetzen, geringer.

Daher: Südwind bleibt im Diskurs, recherchiert, informiert, macht aufmerksam, mischt sich ein, mobilisiert, geht auf die Straße und in Schulen, bringt sich in der LehrerInnen-Ausbildung ein, vernetzt sich, schaut über die Grenzen, schreibt Petitionen, verhandelt mit der Politik und Wirtschaft und setzt sich für eine bessere Welt für ALLE ein. Denn eine andere Welt ist möglich.

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