J. M. Coetzee

Schande

Von Werner Hörtner
Wie kann heute, nach dem offiziellen Ende des Apartheid-Systems, in Südafrika Literatur geschrieben werden, und wie soll obendrein ein weißer südafrikanischer Autor wie J. M. Coetzee schreiben? Die südafrikanische Literatur ist in gewisser Hinsicht nach wie vor eine Geisel der Apartheid, denn dieses Thema drängt sich, gerade wegen seiner moralischen Kraft, immer noch in den Vordergrund literarischen Schaffens.

Coetzees neuester Roman steigt voll in die komplexe Problematik der Nach-Apartheid-Zeit ein. Der Autor schafft es, sie in einer äußerst spannenden, ergreifenden Form darzustellen, ohne je ins Moralisieren, Partei-Ergreifen, Anklagen zu verfallen. In den allgemeinen Rahmen der politischen und intellektuellen Verunsicherung im heutigen Südafrika eingebaut ist die Geschichte der Lebenskrise des Universitätsprofessors Lurie und seine Versuche einer Neuorientierung. Ein inhaltlich fesselndes, meisterhaft erzähltes Werk. Kein Wunder, dass der Autor dafür - und damit bereits zum zweiten Mal - den Booker Prize und mehrere andere Literaturpreise erhielt.

J. M. Coetzee:
Schande
Aus dem südafrikanischen Englisch übersetzt von Reinhild Böhnke. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 288 Seiten, öS 277,-

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