Mit dem Todschlagsargument Antisemitismus löst man keine Probleme

Antwort auf Leserbrief von David Theil. Von Erwin Ebermann.

Von Erwin Ebermann
Ich finde es in hohem Maße unfair, wie auf eine nüchterne Problembeschreibung des Palästina-Konflikts das Totschlagsargument erfolgt, daß dies schon ein Zeichen von Antisemitismus sei.

Als Österreicher ist man verpflichtet, Besorgnis von Juden bezüglich ihres Überlebens ernst zu nehmen. Als Österreicher, der in einem Kibbutz in Israel arbeitete, glaube ich ein wenig, jüdische Ängste wegen des Aufkommens der neuen Rechten zu verstehen.

Aber das schafft es nicht, meine Augen zu verschließen vor den Jahrzehnten der arroganten Unterdrückung und Verachtung der Menschenrechte der Palästinenser. Eigenes Leid kann kein Recht zur Erzeugung fremden Leides geben. Nur das ungeheure Ausmaß des jüdischen Leidens mag eine Erklärung sein, warum ein Minister der Regierung Begin ungestraft die Ausweisung aller Palästinenser fordern konnte, warum Polizisten, die einem Attentäter während des Verhörs mit einem Stein den Schädel zertrümmerten, umgehend amnestiert wurden, warum trotz einer fast nicht mehr gegebenen Überlebensfähigkeit der Restpalästinsergebiete trotzdem noch hunderttausende jüdische Siedler dort angesiedelt wurden. Leute wie Begin oder Shamir haben es geschafft, eine Generation von Palästinensern ohne Hoffnung aufzuziehen, denen jede Zukunftsperspektive mangels bebaubaren Landes, Jobs, Wasser und andere Ressourcen fehlte. Die "Früchte" werden jetzt geerntet.

Zu dieser Verhärtung im Herzen vieler Israelis, nur eigenes Leid empfinden zu können, hat unsere Elterngeneration viel beigetragen.

Erwin Ebermann

erwin.ebermann@aon.at

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