Neues Spiel, neues Glück

In der der Ausgabe 1-2/2018 haben wir ausführlich über die Verstrickung des peruanischen Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski in Korruptionsfälle berichtet. Im März legte er sein Amt nieder. Wie es in Peru nun weitergeht, berichtet Hildegard Willer.

Der Neue: Martín Vizcarra Foto: Außenministerium Peru/CC BY 2.0

Gerade einmal 20 Monate war der ehemalige Wall Street-Banker Pedro Pablo Kuczynski, genannt PPK, Präsident von Peru. Im Dezember 2017 hatte er noch ein Absetzungsverfahren im Parlament überstanden, weil er hinter dem Rücken aller die Amnestie des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori paktiert hatte. Der Schmach der Absetzung in einem zweiten Verfahren im März 2018 kam PPK dann mit seiner Abdankung am 21. März zuvor. Ihm nachgefolgt im Amt ist der bisherige Vizepräsident Martín Vizcarra.

Vizcarra ist so ziemlich in Allem das Gegenstück zu PPK: ein pragmatischer Bauingenieur aus der südperuanischen Bergbauprovinz Moquegua; einer aus dem Volk, kein elitärer „Gringo“, als welcher PPK für viele gilt. Als Regionalpräsident hatte Vizcarra für  Aufsehen gesorgt, weil er mit gezielten Investitionen in Bildung die SchülerInnen Moqueguas zu den leistungstärksten in ganz Peru machte. Und weil er mit einem großen Bergbaukonzern zusätzliche Millionen für die Region aushandelte.

Vizcarra verfügt über politische Erfahrung. Die wird er brauchen: Er muss mit der größten Oppositionspartei - der von Keiko Fujimori -verhandeln, um die politische Stabilität in Peru wieder herzustellen und eigene politische Vorhaben durchzubringen. Den internen Nachfolgestreit der Fujimoristas hat Keiko, Tochter des Ex-Präsidenten Alberto Fujimoris und Parteipräsidentin, vorerst für sich entschieden. Ihr abtrünniger jüngerer Bruder Kenji ist kleinlaut geworden, seit seine Schwester ein Video bekannt machte, in dem Kenji einem Abgeordneten Gegenleistungen verspricht, wenn er im Absetzungsverfahren für PPK stimmte.

Korruption, Korruption, Korruption. Die größte Herausforderung für Vizcarra bleibt die Bekämpfung der Korruption. Dass diese auch unter demokratischen Bedingungen hervorragend gedeiht, hat der Bestechungsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht gezeigt.

Alle vier seit dem  Abgang des Autokraten Alberto Fujimori im Jahr 2000 gewählten Präsidenten hatten von Odebrecht Geld angenommen, sei es in den eigenen Säckel oder für die Partei, oder hatten mit Odebrecht Geschäfte gemacht wie PPK. Nur der zweimalige Ex-Präsident Alan García ist noch ohne offizielle Anklage – der gewiefte Politikfuchs, der von 1985-1990 und von 2006-2011 im Amt war, ist im peruanischen Justizwesen zu gut vernetzt.

Mit einem neuen Kabinett mit Ministern aus allen Parteien will Vizcarra vor allem den Abstand zu seinem beim Volk verhassten Vorgänger und Parteikollegen PPK demonstrieren und das Land weiterbringen.

Wenig Konkretes. Konkrete Pläne und Taten müssen erst noch folgen: Zum Beispiel, die Wirtschaft in Gang zu halten, den Wiederaufbau des 2017 von Wetterphänomen El Niño zerstörten Nordens voranzubringen und die Armut zu bekämpfen. Erstmals seit 17 Jahren ist letztes Jahr die Armutsrate wieder um einen Prozentpunkt gestiegen.

Vorerst  haben die  PeruanerInnen Wichtigeres zu tun, als zu überlegen, ob ihr neuer Präsident seinem Amt gerecht wird. Ganz Peru wird mitfiebern, wenn im Juni die  Nationalmannschaft erstmals seit 36 Jahren wieder an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen wird.

Hildegard Willer arbeitet als freie Journalistin und Journalismus-Dozentin in Lima, Peru.

Unser Peru-Schwerpunkt aus der Ausgabe 1-2/2018 hier nachlesen.

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