Topf im Topf

Der Nigerianer Mohammed Bah Abba erfand den einfachsten und billigsten Kühlschrank der Welt.

Von Christine Pölzl
In der Savanne Nord-Nigerias gibt es kein Stromnetz. Dort leben vorwiegend Subsistenzbauern. Da Kühlsysteme fehlen, um Lebensmittel zu lagern, müssen die Bäuerinnen und Bauern ihre Ernten tagtäglich am Markt verkaufen. Mohammed Bah Abba, ein 36-Jahre alter nigerianischer Lehrer, erkannte die Notwendigkeit für Kühlungsvorrichtungen. Er erfand einen einfach zu benutzenden und billigen Kühlschrank.

Dabei verband er traditionelles afrikanisches Handwerk mit dem Prinzip der Kühlung durch Verdunstung von Wasser, was in der Idee des Topfes-im-Topf kulminierte. "Das Topf-im-Topf-System basiert auf einer ressourcenschonenden und umweltschützenden Technologie", sagt Abba. Und sie ist einfach und wirksam: Ein Tontopf ist in einem anderen Tontopf platziert. Der Leerraum zwischen den Töpfen ist mit nassem Sand gefüllt. Die Lebensmittel werden im inneren Topf aufbewahrt, der mit einem feuchten Tuch bedeckt ist. Warme Luft zieht die Feuchtigkeit des Sandes zur Oberfläche des äußeren Topfes, wo das Wasser verdunstet. Das Verdunsten des Wassers braucht Energie, die in der Form von Wärme den Töpfen entzogen wird und folglich den Innenraum des inneren Topfes kühlt. Die Haltbarkeit der Lebensmittel wird dadurch erheblich verlängert. Auberginen bleiben im Topf-im-Topf bis zu 27 Tage frisch, anstatt von nur drei Tagen. Paprika hält über drei Wochen länger und afrikanischer Spinat, der normalerweise nach einem Tag verdirbt, ist nach 12 Tagen immer noch genießbar.

Mohammed Bah Abba erhielt kürzlich für diese Erfindung, die deutlich zur Verbesserung des Lebensstandards im Norden von Nigeria beiträgt, den Rolex Preis für Unternehmer. Abba produzierte 1997 mit der Hilfe von einigen der vielen Arbeitslosen in Nord-Nigeria 5.000 Kühltöpfe. Er produzierte diese Töpfe, von denen einer umgerechnet circa 5 Schilling kostet, mit seinem eigenen Kapital und verschenkte sie in seiner Heimatprovinz Jigawa. Letztes Jahr produzierte Abba noch weitere 7.000 Töpfe auf seine eigenen Kosten, die er auch in Jigawa verteilte. Dort benutzen heute drei Viertel der bäurlichen Familien sein einfaches Kühlungssytem. Mit dem Preisgeld von Rolex (75.000 US-Dollar, circa 1.220.000 Schilling), will Abba die Erfindung in ganz Nord-Nigeria verbreiten. In seinen Bestrebungen wird er nun von dem "United Nations Development Program" (UNDP), der Landesregierung, der lokalen Frauengruppen und der staatlichenUniversität von Jigawa unterstützt. Frau Rabi Umar, Sekretärin des Frauenministeriums, meint dazu: "Das Topf-im-Topf-Projekt ist die erste einfache kulturelle Lösung, die die primären Lebensnotwendigkeiten nord-nigerianischer Bauern erkennt."

Das Topf-im-Topf-Sytem hat einen grossen Einfluss vor allem auf die arme Bevölkerung auf dem Land in Nord-Nigeria, der keine Stromanschlüsse zur Verfügung steht und die sich keine teuren Diesel- und Holzkohle-Generatoren leisten kann. Der Topf-im-Topf hingegen ist einfach herstell- und verwendbar. Er hilft den Subsistenzbauern, ihre Erträge aufzubewahren und bei Nachfrage und zu einem besseren Preis zu verkaufen. "Das Einkommen der Bauern hat sich dadurch deutlich verbessert", erzählt Abba. Krankheiten, die von verdorbenen Lebensmitteln verursacht werden, sind deutlich zurückgegangen. Indirekt trägt der Topf-im-Topf auch dazu bei, die Abwanderungswelle von ländlichen Gebieten in die Städte einzudämmen.


Fussnote

Frauen profitieren

Frauen im nördlichen Nigeria sind oft benachteiligt, sei es im Bereich der Bildung, des Gesundheits- oder Arbeitswesens. Sie sind stark abhängig von den männlichen Mitgliedern der Familie.
Das Topf-im-Topf-System ermöglicht es ihnen nun, Lebensmittel von zu Hause aus zu verkaufen und vermindert dadurch ihre Abhängigkeit von den Männern. Frauen, die jeden Tag einen langen Weg zum Markt zurücklegen mussten, haben jetzt auch die Zeit, die Schule zu besuchen. Die Anzahl von Mädchen, die sich in den Dorfschulen anmelden, ist mit Einführung des Topf-im-Topf-Systems deutlich gestiegen.

Christine Pölzl ist Umwelttechnikerin und arbeitet in der Forschungsabteilung des Zentralen Wetterdienstes von England in London.

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