Markus Stumpf / Renate Sova / Manfred Bürstmayr / Corinna Milborn(Hg.): Guatemala

Ein Land auf der Suche nach Frieden

Von WeH
Verlag Brandes & Apsel / Südwind, Frankfurt a.M. / Wien 2003, 279 Seiten, 1 19,90

Ende 1996 wurde das „Abkommen über einen festen und dauerhaften Frieden“ zwischen Regierung, Armee und Guerilla-Führung unterzeichnet. Dieses umfassende, aus mehreren Teilabkommen bestehende Vertragswerk markierte nicht nur das Ende eines 36-jährigen gewaltsamen Konflikts, sondern es sollte auch den Aufbau eines neuen, demokratischen, sozialen Staates besiegeln. Doch mehr als sechs Jahre später sind nur wenige Teile des Vertrages umgesetzt, wie Juan Ramón Ruíz minutiös ausführt. Und zwar sind es gerade die wichtigsten sozialen und politischen Kernvereinbarungen, die noch auf ihre Umsetzung warten – und dies wahrscheinlich noch lange.
In zahlreichen Artikeln wird von den AutorInnen ein besonderer Aspekt des heutigen Guatemala und seiner jüngsten, leidvollen Geschichte vorgestellt: der Stimmenkauf am Wahltag, die Weltbank-bestimmte Bildungsreform, die Frauenbewegungen, die Maya-Frauen, ja selbst über Schwule und Lesben ist ein Beitrag zu finden.
Eine sehr informative Insider-Analyse über die Entwicklung und anhaltenden Irrwege der guatemaltekischen Linken bietet Raúl Molina Mejía, 1982 einer der Mitbegründer der RUOG, der Einheitsvertretung der guatemaltekischen Opposition.
Einen breiten Raum nimmt das für Guatemala so prioritäre Thema der Landfrage, Agrarreform und ländlichen Entwicklungsperspektive ein, u.a. mit einem Beitrag des Ethnologen Georg Grünberg über „Ethnien, Land und Territorien“ und von Markus Stumpf über die so notwendige, doch nie realisierte Agrarreform und über die Dschungelregion Ixcán.
Der Platz erlaubt es nicht, alle Beiträge der vielen AutorInnen auch nur stichwortartig zu erwähnen. Wohltuend bei diesem Buch ist, hier – im Gegensatz zu wissenschaftlichen Sammelbänden – eine einigende inhaltliche und emotionelle Klammer zu finden: die Solidarität. Was, zum Glück, überhaupt nicht die Qualität der Beiträge mindert. Im Gegenteil: diese sind durchaus von dem Bemühen um objektive, ehrliche Berichterstattung geprägt. Die Schrecken der jüngsten Geschichte sprechen eine Sprache, die eindringlich genug ist, die keiner Solidaritätsbrille bedarf.
Ein Buch, das allen Guatemala-Interessierten nur wärmstens empfohlen werden kann.

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