Vandana Shiva: Erd-Demokratie

Alternativen zur neoliberalen Globalisierung

Von rld
Rotpunkt Verlag, Zürich, 2006, 292 Seiten, EUR 17,90

Als Ökofeministin wird die streitbare indische Wissenschaftlerin gemeinhin bezeichnet. Physikerin und Philosophin steht in ihrem Lebenslauf. Bekannt wurde Vandana Shiva durch ihren unermüdlichen Kampf gegen transnationale Konzerne. Dieses Buch handelt denn auch von Biopiraterie und von den verheerenden Konsequenzen der neoliberalen Globalisierung. Vandana Shiva setzt diesem Konzept ihre Alternative entgegen – die Erd-Demokratie. Diese geht davon aus, dass alle Spezies, Völker und Kulturen einen inneren Wert haben, der zu respektieren sei. Es geht um Vielfalt, wirtschaftliche Demokratie und Menschenrechte.
Es ist nicht alles neu, was in diesem Buch präsentiert wird. Vielmehr ist es eine Synthese aus vielen Jahren Widerstand gegen die Dampfwalze des westlichen Kapitalismus, der sich die Welt untertan machen will. Dem wird jetzt ein theoretisches Gerüst übergestülpt. Die negativen Auswirkungen der Einhegung der Allmende, also des Gemeineigentums der Dorfgemeinschaften, kennen wir schon aus der Subsistenztheorie von Maria Mies und Claudia von Werlhof. Die Kritik an der Freihandelsideologie, wie sie über die Welthandelsorganisation verbreitet wird, ist ein Dauerbrenner beim globalisierungskritischen Netzwerk ATTAC. Der Kampf gegen Monokulturen und genetisch manipulierte Lebensmittel steht seit Jahren auf der Agenda von Umweltorganisationen und FIAN, der Organisation für das Recht auf Nahrung. Es ist also vieles nicht neu, was die wortgewaltige Inderin zusammenfasst. Doch sie versteht es, die Dinge einerseits auf konkrete Beispiele vor allem des indischen Alltags herunter zu brechen, anderseits Kausalketten herzustellen, die ihre Argumentation einleuchtend machen. Die Bauernselbstmorde in mehreren indischen Bundesstaaten stehen unleugbar in Zusammenhang mit den Krediten, die sie nicht bedienen können. Hätten sie statt auf chemische Düngemittel und teure Pestizide auf Diversifizierung und organischen Anbau gesetzt, wären sie nicht verschuldet und hätten zuverlässigere Ernten. Das leuchtet ein. Dass sich die Erd-Demokratie als umfassende Kapitalismusalternative durchsetzt, darf aber bezweifelt werden.

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