Kein Vertrauen in MigrantInnen

Was wissen die denn schon von Entwicklungszusammenarbeit? Dieser Einstellung begegnen oft Menschen aus MigrantInnen-Organisationen, die sich in der EZA engagieren.

Von Irène Hochauer-Kpoda
Irène Hochauer-Kpoda

Die Entwicklungszusammenarbeit bietet ein breites Programm für weltweit hunderte staatliche Organisationen, NGOs und Regierungen. Doch über die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit ist man sich nicht einig. So manche Ökonominnen und Ökonomen zweifeln an der EZA als Werkzeug für Entwicklung. Manche kritisieren die politische Funktion, die die EZA erfüllt, wenn sie als Bremse für Migration aus dem globalen Süden nach Europa fungieren soll.

Viele MigrantInnen, die sich in Österreich auf Grund ihrer speziellen Interessen oder ihrer Herkunft aus einem Land des Südens in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren, erleben immer wieder eine bittere Wahrheit: Es gibt tatsächlich einen blinden Fleck bei den gut etablierten EZA-Organisationen, die über Strukturen, Kompetenzen, Erfahrungen und finanzielle Möglichkeiten verfügen. Diese Organisationen haben kaum etwas mit den in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen MigrantInnen-Organisationen zu tun – die selten Unterstützung bekommen, aber trotz aller Schwierigkeiten viele Projekte in Afrika und anderen so genannten Entwicklungsländern durchführen. Zu wenig Vernetzung und Vertrauen zwischen diesen beiden Gruppen von Akteuren kennzeichnet die heimische EZA-Szene.

Von den MigrantInnen-Organisationen wird behauptet, sie hätten zu wenig Expertise in der EZA. Dass die Tatsache, dass ihre Mitglieder aus Ländern stammen, in denen Projekte abgewickelt werden, nicht ausreichen würde, um sich als EZA-Akteure bezeichnen zu können. Man hätte außerdem in MigrantInnen-Organisationen zu wenig Vertrauen beim Umgang mit finanziellen Mitteln.

Gleichzeitig müssen wir aber fragen: Wie viele Projektmittel oder andere Förderungen sind vorhanden, ohne dass die MigrantInnen-Organisationen eine Ahnung davon haben oder die komplizierten Anforderungen erfüllen können? Wie viele EZA-Akteure halten es für sinnvoll, eine MigrantInnen-Organisation zu kontaktieren, um sie in ein Projekt einzubinden? Wie viele Konferenzen und Podiumsdiskussionen organisiert man in der EZA-Szene über entwicklungspolitische Themen zu Afrika, bei der nur europäische ExpertInnen am Podium sitzen, und auch im Publikum fast keine AfrikanerInnen zu finden sind?

Dabei ginge es um die Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel: die Entwicklung von Ländern in kritischer ökonomischer und sozialer Lage. Im Jahr 2011 wurde in Österreich eine transnationale Initiative für Migration und Entwicklung (CoMiDe) mit vielen internationalen KooperationspartnerInnen gegründet. Die Initiative hat in der EZA-Szene ein starkes positives Signal gesetzt. Ihr Ziel ist die Formulierung einer kohärenten Migrations- und Entwicklungspolitik auf nationalstaatlicher und europäischer Ebene und eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen entwicklungspolitischen NGOs und MigrantInnen-Organisationen. Zumindest im Rahmen dieser Initiative will man aus Fehlern der Vergangenheit lernen.

Informationen zu CoMiDe: www.vidc.org/projects/migration/

Irène Hochauer-Kpoda ist stellvertretende Obfrau und Mitbegründerin des Vereins BARKA BARKA, einer Hilfsorganisation für das Dorf Foroteon in Burkina Faso. Seit September 2011 arbeitet sie beim VIDC im Projekt- und Eventmanagement.

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