„Wacht auf!“

Weltweit gehen SchülerInnen für Klimaschutz auf die Straße, auch in Südafrika.

Von Martina Schwikowski, Südafrika

SchülerInnen in Südafrika: „(Klima-)Leugnen bringt uns nicht weiter."© Fridays for Future South Africa

"Als ich elf Jahre alt war, haben mich meine Eltern auf eine Rundreise durch Afrika mitgenommen“, sagt Ruby Sampson. „Da habe ich die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels gesehen“, erinnert sich die Schülerin. Sie geht in die Maturaklasse des Mädchen-Gymnasiums in Wynberg, einem idyllischen Vorort von Kapstadt. Das Mädchen ist inspiriert durch Greta Thunberg, die 16 Jahre alte Klimaaktivistin aus Schweden.

Wie viele Jugendliche weltweit ist auch Sampson der populären Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ beigetreten und hat Proteste gegen die globale Umweltverschmutzung in Kapstadt organisiert. „Politiker haben das Thema über viele Generationen vernachlässigt“, findet Sampson. Klimaschutz-AktivistInnen und WissenschaftlerInnen hätten hingegen vor dem Klimawandel gewarnt.

Sampson findet es überwältigend, dass jetzt viele Menschen bei den Protestaktionen mitmachen, so wie bei der jüngsten Demo Mitte März: In den großen Städten des Landes – Pretoria, Johannesburg, Durban, Kapstadt – gingen junge Menschen aller Volksgruppen der Regenbogennation mit Plakaten wie „Wir haben keinen zweiten Planeten“ und „Wir wollen keine dreckige Kohle“ auf die Straßen. In Durban zogen 250 Jugendliche mit dem Ruf: „Wacht auf!“ zum Energieministerium. Die nächsten Demos sind, in Abstimmung mit dem weltweiten Aktionskalender der Klimaschutzbewegung, schon geplant.

Keine große Debatte. Chris Engelbrecht ist ein engagierter Organisator, wenn es um Demos für den Klimaschutz geht. Er ist Physik-Professor an der Johannesburger Universität. „Die Aufmerksamkeit in Südafrika ist eher gering“, kritisiert Engelbrecht. Die Medien berichteten zu wenig, in der Öffentlichkeit gebe es generell keine große Debatte über den notwendigen Schutz des Klimas. Dabei werde der Klimawandel jeden, aber besonders arme Menschen betreffen, die sich nicht vor den Konsequenzen – wie zum Beispiel der Knappheit von Nahrungsmitteln – schützen können.

Laut Engelbrecht seien es oftmals die wohlhabenderen Leute, die zur Schädigung des Klimas beitragen. „Die Ironie des Ganzen ist, das die Hauptverantwortlichen am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen werden, aber diejenigen, die am wenigstens zum Klimawandel beigetragen haben, am meisten darunter leiden werden“, sagt er.

In Südafrika klafft die soziale Schere weit auseinander. Die größte Angst ist es, noch mehr Arbeitsplätze zu verlieren. Die Regierung müsse verstärkt Menschen für den erneuerbaren Energiesektor trainieren, um den Wandel zu vollziehen. Südafrikas Strom wird zu 90 Prozent von Kohlekraftwerken produziert.

Wenig Zeit. Wissenschaftler Engelbrecht hat sich mit der weltweit aktiven Klimaschutz-Organisation Extinction Rebellion vernetzt, um Druck auf die Regierung aufzubauen. Auch Alycia Hibbert fordert die Regierung auf, den CO2-Fußabdruck zu verringern. Sie ist Studentin an der Universität in Pretoria und hat sich von der „Fridays for Future“-Bewegung zu Protesten motivieren lassen. „Ich habe nie verstanden, wie wenig Zeit wir noch haben, besonders in Afrika“, betont die Studentin. „Denn wir haben nicht die Mittel und Strukturen aufgebaut, um mit der Katastrophe umzugehen, wenn sie kommt.“

Martina Schwikowski ist Korrespondentin der deutschen tageszeitung (taz) für das südliche Afrika und lebt in Johannesburg.

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