Ziviler Friedensdienst für Österreich, jetzt!

Was ist Deutschland schon seit 1999 gut funktioniert, soll nun auch hierzulande kommen: Fachkräfte im Ausland für die gute Sache.

Von Thomas Roithner und Pete Hämmerle

Ziviler Friedensdienst aus Deutschland in Myanmar. © L. Nagel, Weltfriedensdienst e.V.

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) ist kein „Lerndienst“ von Freiwilligen, sondern ein professioneller Einsatz von hervorragend praktisch und theoretisch ausgebildeten Fachkräften zur Konfliktbearbeitung. Das Instrument ist vom Wehr- und vom Zivildienst unabhängig.
Seit Jahren versuchen zivilgesellschaftliche Initiativen, den ZFD in Österreich zu realiseren. Die Chancen sind derzeit besonders groß.

Der ZFD wäre ein eigenständiges Instrument der österreichischen Außenpolitik. Seine Prüfung ist im aktuellen Regierungsprogramm verankert.
Der ZFD ist als Gemeinschaftswerk von Staat und Zivilgesellschaft konzipiert und dient der Gewaltprävention und Friedensförderung in Krisen- und Konfliktgebieten. Über den ZFD werden durch den Einsatz von spezifisch ausgebildeten und erfahrenen Friedensfachkräften lokale Partnerorganisationen in ihrem Einsatz für Frieden und Menschenrechte unterstützt.
Die Friedensfachkräfte arbeiten direkt an den Ursachen, Verläufen und Folgen von Konflikten mit zivilen und gewaltfreien Methoden. Die österreichischen Entsendeorganisationen engagieren sich zur umfassenden Abstimmung des Gesamtprogramms gemeinsam im Koordinationskomitee .


Basis der gegenwärtigen Debatte ist ein durch die Zivilgesellschaft ausgearbeitetes Konzept. Stichworte der Begründung finden sich auch im Regierungsprogramm: Österreich als Vermittler in Konflikten, Neutralitätspolitik, zivile Krisenprävention oder Menschenrechtsschutz.

Vorbild Deutschland

Dass der Zivile Friedensdienst sehr gut funktioniert, zeigt das deutsche Modell. Dort wurden seit 1999 rund 1.500 Friedensfachkräfte in mehr als 60 Ländern eingesetzt. Ein Konsortium von Nichtregierungsorganisationen setzt das gemeinsame Programm in der Praxis um. Die staatliche Unterstützung beträgt in Deutschland 55 Millionen Euro pro Jahr - Tendenz steigend. Natürlich wird die Wirksamkeit streng geprüft.

Der Entschließungsantrag der grünen Nationalratsabgeordneten Ewa Ernst-Dziedzic und des ÖVP-Abgeordneten Reinhold Lopatka, die Außenminister Alexander Schallenberg zur „ehestmöglichen“ Einrichtung dieses neuen Instruments auffordert, fand noch vor dem Sommer eine breite Mehrheit.

Seit Beginn der 1990er Jahre engagieren sich zivilgesellschaftliche Organisationen für einen Zivilen Friedensdienst in Österreich. Im heurigen Jahr sind bereits einige Schritte mit Siebenmeilenstiefeln gelungen. Das Pionierprojekt #ZivilerFriedensdienstÖsterreich macht Tempo.

Thomas Roithner ist Friedensforscher und Pete Hämmerle arbeitet im Internationalen Versöhnungsbund. Beide leiten die Kampagne zum Zivilen Friedensdienst in Österreich.

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