Konkrete Utopie

Lebensnahe Ideen für eine sozial-ökologische Transformation wurden beim zweiten Kongress zum „Guten Leben für alle“ in Wien diskutiert. Monika Austaller fasst zusammen.

Ergebnis-Ernte im Plenum.© Monika Austaller

900 Interessierte aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Verwaltung, Unternehmen und Politik kamen von 9. bis 11. Februar zur zweiten Auflage des Kongresses „Gutes Leben für alle“ an der Wirtschaftsuniversität (WU) in Wien zusammen. Sie diskutierten, wie ein global nachhaltiges, friedliches und freies Zusammenleben gestaltet werden kann. „Damit meinen wir, dass die grundlegenden Dinge, die man im Leben braucht, gesichert sind“, so Veranstalterin Alexandra Strickner (Attac, WU), „dass alle Zugang haben zu Wasser, Essen, Gesundheit, einem Dach über dem Kopf, Bildung, und natürlich auch zu demokratischen Rechten. Alles, was in den umfassenden Menschenrechten verankert ist, soll wirklich umgesetzt werden.“

Vor dem Hintergrund internationaler Ausbeutungsstrukturen, Verunsicherung, Polarisierung und Katastrophenstimmung, in einer Zeit, in der Veränderungen auf chaotische Weise Gesellschaften durchrütteln, braucht es mehr als den Willen, das Schlimmste kurzfristig zu verhindern, so die Grundthese. „Gesellschaften brauchen Utopien!“, fordert Veranstalter Andreas Novy (Grüne Bildungswerkstatt, WU).

Dabei gehe es nicht um naive Träumerei, sondern um eine konkrete Utopie einer Zivilisation, die nicht auf Kosten anderer lebt, und die sich der Konflikte und Machtverhältnisse in einem System der Hyperglobalisierung und des Wachstumszwanges bewusst ist.

Radikaler Perspektivenwechsel. Da weder von Regierungen noch von internationalen Gremien die ökologische Frage, die Frage wachsender Ungleichheit und die Überwindung des Wirtschaftswachstumszwanges ernsthaft angegangen werden, bleibt als Alternative nur ein radikaler Perspektivenwechsel, so einer der Hauptgedanken des Kongresses.

Man geht davon aus, dass globale Probleme mittels vielfältiger regionaler Praktiken demokratisch gelöst werden müssen. Dabei gilt etwa das „Rote ­­­­Wien“ der 1920er Jahre als Vorbild dafür, wie durch Gesetze und Institutionen, Sozialleistungen und Gemeindebauten ein gutes Leben für alle gefördert werden konnte.

Eine koordinierte wirtschaftliche Deglobalisierung sei unumgänglich für emanzipatorische Handlungsspielräume von unten, so eine These des Kongresses. Konkrete Ideen auf dem Weg dahin wie Foodcoops, Arbeitszeitverkürzung oder ökologische Kostenwahrheit wurden in verschiedenen Workshops diskutiert.

Fazit: Weltoffenheit und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, Solidarität und Gemeinwohl sind die Elemente, mit denen in zahlreichen Projekten über den Kongress hinaus am Prozess einer sozial-ökologischen Transformation gearbeitet wird.

guteslebenfueralle.org

Monika Austaller war Mitglied des „Harvesting-­­Teams“ des Kongresses „Gutes Leben für alle“.

nach oben