Lesestoff:
Viele Seiten von Flucht

Endlich beschäftigen sich Medien in Österreich intensiver mit Fragen zu Flucht und Migration. Für jene, die auf der Suche nach Antworten sind, drei Buchempfehlungen.

1  Johannes Bühler: Am Fuße der Festung. Begegnungen vor Europas Grenze (Schmetterling Verlag, Stuttgart 2015, € 20,40)

„Dem Lachen. Der Hoffnung. Dem Vergessen.“ So lautet die Widmung in Johannes Bühlers Buch, in dem er 15 gestrandete Reisende die bewegenden Geschichten ihres Lebens erzählen lässt. Da ist Moussa, der neun Jahre alt war, als er in den Kriegswirren seine Mutter aus den Augen verlor. Jeanne, die vor der Tyrannei ihres Schwiegervaters flüchtete und als Zwangsprostituierte in einem Wüstenbordell landete. Und David, der auf seiner Flucht gelernt hat, dass er auch fünf Tage ohne Essen auskommen kann. Sie alle sitzen nach einer jahrelangen Reise in Marokko fest, nur durch eine 14-Kilometer Bootsfahrt von Europa getrennt. Eine politische und persönliche Reportage, die unter die Haut geht.

2  Elias Bierdel, Maximilian Laktisch (Hg.): Flucht und Migration. Von Grenzen, Ängsten und Zukunftschancen (LIT Verlag, Wien 2014, € 9,80)

Entstanden als Reaktion auf die erste große und medial stark aufgegriffene Schiffskatastrophe, bei der im Jahr 2013 vor Lampedusa 300 Flüchtlinge ertranken, ist dieses Buch aktueller denn je. Diverse Beiträge von anerkannten österreichischen und internationalen Expertinnen und Experten setzen sich damit auseinander, warum das „Friedensprojekt Europa“ nur jenen nutzt, die bereits am Kontinent angelangt sind, während an Europas Grenzen ein Überlebenskampf tobt. Die versammelten Texte zeigen aber auch, was getan werden muss, wenn Europa Frieden und Menschenrechte wahren will. Herausgegeben wurde das Buch vom Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung.

3  Livia Klingl: Wir können doch nicht alle nehmen! Europa zwischen „Das Boot ist voll“ und „Wir sterben aus“ (Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2015, € 22,-)

Mehr als 20 Jahre war Livia Klingl Kriegs- und Krisenberichterstatterin, neun Jahre leitete sie das Außenpolitik-Ressort des Kurier. Ausführlich schildert sie nun in ihrem Buch die Schicksale von 16 Menschen, die sich in Österreich ein neues Leben aufgebaut haben und zum Wohlstand des Landes beitragen. Außerdem untersucht sie Wege der Flucht und gibt einen Einblick in die nervenaufreibende Asyl-Bürokratie. Was tun? Klingl plädiert für eine neue Ausländerpolitik, schon allein aus reinem Eigennutz. Flüchtlinge sollen in einem solidarischen Europa ein neues Leben in Frieden finden können; Wirtschaftsmigrantinnen und -migranten soll ein geordneter Zuzug erlaubt sein. Profitieren davon würden letztendlich alle Europäerinnen und Europäer.   noh

Diese Bücher und noch viele mehr sind erhältlich auf: www.suedwind-buchwelt.at

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