17 Jahre und 35 Minuten

Mit einer Studie zieht die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) Bilanz über ihr langjähriges Engagement im Bereich Wasser und sanitäre Anlagen in Uganda.

Von Irmgard Kirchner
Betty Bigombe, Ugandas Wasserministerin, lobt Österreich.

17 Jahre sind eine kleine Ewigkeit. Zumindest in der Entwicklungszusammenarbeit mit ihren meist wesentlich kürzeren Laufzeiten von Projekten und Programmen. Der Wasserexperte Reinhold Seidelmann sprach von einem „Moment der Wahrheit“, als Ende August die Ergebnisse seiner Studie in Wien präsentiert wurden. Seidelmann hat im Auftrag der OEZA erhoben, welche Resultate 17 Jahre Engagement der OEZA im Sektor Wasser und Sanitäres in Uganda gebracht haben. Schließlich, so Seidelmann, sei Nachhaltigkeit in diesem Bereich ein großes Problem. Der Bau von Wasserleitungen sei relativ leicht, ihre Instandhaltung nicht.

Die Studie kommt zu einem positiven Befund. Martin Ledolter, Geschäftsführer der Austrian Development Agency (ADA) lobte das österreichische Engagement in Uganda als „Flaggschiff“, sowie als „effektiv und effizient“. Seidelmann und sein Team haben im Südwesten Ugandas 1.381 Haushalte in 46 Städten befragt. Vier Städte fungierten als „Kontrollgruppe“, die nicht vom South Western Towns Water and Sanitation programme (SWTWS) erfasst sind.

Dieses Programm, von Österreich und Uganda gemeinsam seit 1996 umgesetzt, wurde zum Modell für das ganze Land und inspirierte viele Nachfolgeprojekte.

93% der errichteten Anlagen sind auch heute noch in Betrieb. 88 Prozent der befragten Haushalte nutzen Leitungswasser als Trinkwasser und bezahlen dafür. Die Leitungen sind näher bei den Häusern als andere Stellen, von denen Wasser geholt werden kann. Meist sind es Frauen, die Wasser holen und sich dadurch im Durchschnitt 35 Minuten Zeit am Tag sparen. Krankheiten wie Cholera und Typhus wurden zurückgedrängt.

Im Rahmen des Projektes haben sich die Haushalte zum Bau von Latrinen verpflichtet, was fast zu 100 Prozent erfüllt wurde.
Die Studie streicht die Erfolge bei der Entwicklung von einheimischen Managementstrukturen hervor. Zu wünschen übrig lasse die Service-Qualität. Nur 36 Prozent der Anlagen versorgen zuverlässig ohne wesentliche Ausfälle mit Leitungswasser. Was allerdings laut Seidelmann für ein Entwicklungsland kein überraschender Wert sei.

In der Studie wird kritisiert, dass die ärmsten fünf Prozent der Menschen das Leitungswasser nicht nutzen. Und so empfiehlt die Studie neben dem Ausbau und weiteren Investitionen spezielle Maßnahmen für die Ärmsten. Notwendig sei auch eine Kontrolle der Wassertarife. Die dafür zuständigen Waterboards, die lokalen Wasserbehörden, so Studienautor Seidelman bei der Präsentation, würden in einzelnen Orten mafiös vorgehen.

Betty Bigombe, Ugandas Ministerin zuständig für Wasser, war bei der Präsentation der Studie in Wien anwesend. Sie lobte das SWTWS und seine Nachfolger: „600.000 Menschen profitieren davon, indirekt oder direkt. Das Programm hat ihr Leben verändert.“

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