25 Jahre JEP

Von Werner Hörtner · · 2010/06

Das österreichische Journal für Entwicklungspolitik (JEP) feiert ein rundes Jubiläum.

Ein Vierteljahrhundert JEP ist die Geschichte eines erfolgreichen Versuches, Entwicklungsforschung in die österreichische Wissenschaft einzuführen; es ist zugleich eine „Geschichte der wechselnden Theorien, Themen, Leitfiguren, MitläuferInnen, Produktionsweisen und Verflechtungen“, wie der Wiener Afrikanist Walter Schicho in einer Art Vorwort zum Jubiläumsband schreibt.

„Nur keine Lobpreisung des Journals“, wünschten sich die Heftverantwortlichen von dem Band zum Ende des 25. Jahrgangs, und Professor Schicho vom Institut für Afrikawissenschaften in Wien und so etwas wie die Vaterfigur des vor lauter Anziehungskraft beinahe explodierenden Studienlehrganges „IE“, Internationale Entwicklung, folgte diesem Wunsch getreu. Wenn er zum Beispiel diagnostiziert, dass „das Journal von allem Anfang an international und gleichzeitig auf eine oft schmerzliche Weise österreichlastig war“. Oder wenn er feststellt, dass die AutorInnen aus Theorie und Praxis zumindest in einer ersten Phase wohl ihre Dinge auf den Punkt brachten, aber kaum über den Punkt hinaussahen.

Erst in einer etwa 2003 beginnenden Phase, zeitlich zusammenfallend mit dem Übergang der Herausgeberschaft vom deutschen Brandes & Apsel zum Wiener Mandelbaumverlag, beginnt die Redaktion eine dezidiert kritische Position in der entwicklungspolitischen Diskussion einzunehmen. Die globale Dimension tritt nunmehr gegenüber der Nord-Süd-Perspektive in den Vordergrund: Sicherheit und Entwicklung, das globale Finanzsystem, globale Produktionsnetzwerke usw. Die vielfältigen Forschungsexposés der Mitglieder der JEP-Redaktion bzw. des Boards of Editors, die in der Jubiläumsausgabe des Journals vertreten sind, spiegeln diese Entwicklung wider und zeichnen ein beeindruckendes Bild vom aktuellen Stand der österreichischen Entwicklungsforschung.

Doch vorerst noch ein Rückblick: 1978 fand das erste entwicklungspolitische Symposium Österreichs im burgenländischen Mattersburg statt; drei Jahre später folgte dann die Gründung des „Mattersburger Kreises für Entwicklungspolitik an den österreichischen Universitäten“, heute noch JEP-Herausgeber und heute noch ohne Akronym. Der „Kreis“ sah und sieht sich als kritische Instanz in der Beschreibung von Zielen und Strategien globaler AkteurInnen der Weltentwicklung und als Think Tank für kritische Entwicklungsforschung.

Die vorhin erwähnte neue Phase führte alsbald zu einem sichtbaren Ergebnis. Aus einer Kooperation mit der ÖFSE entstand 2004 das Paulo Freire Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und dialogische Bildung. Das Zentrum versteht sich als ein Freiraum für die Reflexion politischer Praxis im Sinne des großen brasilianischen Pädagogen. Dessen Vorstellung von der Bildung als Praxis der Freiheit kommt gerade heute wieder eine besondere Aktualität zu.

Weitere Informationen auf www.mattersburgerkreis.at (dort kann auch ein Newsletter bestellt werden) und auf www.paulofreirezentrum.at.

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