

Hanna Reiner von der Öfse im Gespräch über den österreichischen Preis für Junges Forschen und Engagement, der vom C3 – Centrum für Internationale Entwicklung vergeben wird.
Da es schon über zehn Jahre her ist – wie ist es denn zur ersten Vergabe dieses Preises gekommen?
Als 2015 die Matura in Österreich standardisiert wurde, ist eine vorwissenschaftliche Arbeit für die Schüler:innen zum verpflichtenden Bestandteil geworden. Das war auch für die Lehrenden eine Herausforderung, denn obwohl sie in ihrem Studium das wissenschaftliche Arbeiten lernen, war das Unterrichten dieser Standards neu für viele. Das C3 – die Öfse in Kooperation mit Baobab und Frauen*solidarität – hat darauf reagiert und Schulen Workshops für Informationskompetenz, von Zitationsregeln bis zum Umgang mit wissenschaftlichen Quellen, in Verbund mit inhaltlichen Themen aus den Bereichen globale und nachhaltige Entwicklung angeboten. Das kam sehr gut an und führte dazu, dass wir 2016 erstmals den C3-Award ausgeschrieben haben, um den Absolvent:innen eine Bühne zu geben, auf der sie ihr erarbeitetes Wissen präsentieren können.
Und wie viele Arbeiten wurden seither von wie vielen Schüler:innen eingereicht?
2016 waren es 50 Arbeiten, 2025 sind es 117, aus allen Bundesländern. Und bis 30. April läuft die Einreichfrist für 2026.
Insgesamt haben wir 1.033 Arbeiten bewertet, an denen aufgrund der Möglichkeit in der Gruppe zu schreiben, 1.451 Schüler:innen beteiligt waren. Neuerdings kann auch aus dem außerschulischen Bereich eingereicht werden. Und: Auch kreative Formate sind gefragt!
Thematisch geht es seit jeher um globale Nachhaltigkeit, Ungleichverhältnisse, Entwicklungsforschung sowie Frauen- und Genderfragen. Zeigen sich innerhalb dieser Felder Trends bei den eingereichten Arbeiten?
Im Laufe der Jahre haben wir gesehen, dass gewisse aktuelle Ereignisse die Auseinandersetzung mit den Folgen in den Arbeiten hervorgerufen haben: Ab 2016 ging es vermehrt um die Themen Flucht und Immigration. Von Anfang an bis heute behandeln viele Schüler:innen feministische, entwicklungspolitische und wirtschaftliche Fragen, wie die Textilindustrie oder den fairen Handel.
Bei vielen finden auch persönliche Erfahrungen Eingang, etwa mit den Herkunftsländern der Eltern oder in Bezug auf Rassismus.
Sehen Sie Veränderungen im Bezug darauf, wie die Themen behandelt werden?
Ja, schon. Die wissenschaftliche Qualität ist im Schnitt gestiegen, was die Methoden, Sprache und die Form betreffen. Außerdem werden einzelne Themen mehr in Bezug zu anderen gesetzt: So hatten wir beispielsweise eine Arbeit über Klimagerechtigkeit im Kontext der Rechte indigener Gemeinschaften oder eine andere, in der die Stellung der Frauen in Ruanda in Verbindung mit dem Genozid erforscht wurde.
In den Medien und der breiten Öffentlichkeit wird oft ein negatives Bild von jungen Menschen vermittelt – was setzen Sie dem entgegen?
Ich denke daran, wie zunehmend krisenhaft ihre Lebenswelten sind, bis zu einem existenzbedrohenden Ausmaß, wenn wir nur an die klimatischen Veränderungen denken. Wir sehen, dass sich viele Jugendliche nicht nur kritisch mit den aktuellen Verhältnissen auseinandersetzen, sondern auch überaus konstruktiv. Die Beschäftigung damit geht bei den allermeisten über den Wettbewerb hinaus. Und das ist unser Ziel: Wir wollen ihnen eine Bühne geben und sie im Erwerb von Kompetenzen stärken, die sie auf ihrem Lebens- und Berufsweg begleiten.
Gibt es ehemalige Teilnehmende, die jetzt den C3-Award begleiten?
Ja! 2024 hat Emina Serdarević eine Arbeit mit dem Titel „Die Grenzen wirtschaftlichen Wachstums angesichts der Klimakrise: Ist die Klimawende im kapitalistischen System schaffbar?“ eingereicht und bei unserer letzten Living Library-Veranstaltung 2025 war sie eines der „lebenden Bücher“.
Und: Seit dem vergangenen Jahr moderieren zwei Teilnehmende die Verleihung! Shayan Shamkhani hat 2022 über die Herausforderungen in der Schule für Jugendliche mit Migrationshintergrund geschrieben und Layla Ahmed über die veränderten Lebenswelten ägyptischer Frauen nach dem Arabischen Frühling. Ahmed hat sich inzwischen auch journalistisch betätigt, bei Die Chefredaktion und Biber. Am 27. Mai 2026 werden die beiden zur Verleihung des C3-Awards wieder auf der Bühne stehen.
Hanna Reiner hat Politikwissenschaft und Library and Information Studies in Wien studiert.
Seit 2022 ist sie im Öfse-Bibliotheksteam zuständig für die Vermittlung, Bildungsprojekte und Veranstaltungen.
Wir wünschen dem C3-Award und allen Beteiligten das Allerbeste für die kommenden Jahre!
Einreichungen für 2026 sind noch bis zum 30. April möglich [Info und Anmeldung].
Interview: Christina Schröder
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