Horchposten Hosp

Stimmbänder, zur Weltmusik verschlungen

Von Albert Hosp
Ich bin ja dafür, einen Aufkleber namens „Achtung Weltmusik!“ herzustellen. Wann immer sich Zwei oder Mehrere im Namen des Cross Over versammeln, sollte eine beinharte Jury darüber entscheiden, ob das Produkt mit dem warnenden Sticker versehen werden soll, je nach Grad des Geschmackes der beteiligten KünstlerInnen.
Zum Beispiel: Ein Keyboard, das eine Kirchenorgel nachahmt; darüber eine Männerstimme im Falsett, entrückt, selbstvergessen: Der US-amerikanische Stimmkünstler Rinde Eckert. Gleich darauf, unmittelbar an die zu Tränen rührende Ballade, ein rauer und kindlicher Gesang, von einer Frau, die ihre Stimmbänder nicht zu schonen scheint: „Mitsou“, die Ungarin, mit einem perkussiven Roma-Lied.

Weitere Vokalstücke warten auf die Hörenden, die diese CD einlegen (Tipp: Am besten ohne vorher nachzusehen, wer da was singt!), aus Indien, Mali und der Schweiz. Acht Stimmen aus vier Kontinenten, eingefangen beim Konzert im Burghof Lörrach am 4.7.2002.
Die Idee von Helmut Bürgel, in die Tat umgesetzt bei seinem Festival „Stimmen“, ging aber natürlich weiter als bloß verschiedene Gesangskulturen auf einer Bühne einander gegenüberzustellen.
Im Laufe des Abends vereinten sich also etwa die Stimmbänder von Corin Curschellas (Schweiz) und dem Trio Senge (Madagaskar) zu einem multikulturellen Jodler, oder betraten alle gemeinsam im Geiste den indischen Regenwald, um dort Hochzeitslieder zu singen.
Die Sache ging auf und berührt dementsprechend; Weltmusik ausschließlich gesungen (ein paar sehr sparsam eingesetzte Instrumente dazu), das bedeutet größtmögliche Eigenständigkeit im Miteinander. Den Sticker braucht es hier nicht.

Global Vocal Meeting

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