Liebe Südwind-Redaktion!

Ich habe unlängst erfahren, dass man sich im benachbarten Ostkongo Blitze bestellen kann. Es kostet ca. 5 bis 7 Dollar, einen Blitz bei einer traditionellen Heilerin zu kaufen. In der ganzen Region werden diesen HeilerInnen unglaubliche Kräfte zugeschrieben. Hier in Uganda nimmt der Zulauf trotz Alternativen und westlich geprägter Schulmedizin zu. Damit hängt auch die steigende Zahl von Menschenopfern zusammen. Moses Binonga von einer Spezialeinheit der ugandischen Polizei zu diesem Thema erläuterte in einem Zeitungsbericht, dass 2009 29 rituelle Morde begangen wurden, 15 davon an Kindern. Der bekannteste Fall war der eines 12-Jährigen, der von seinen Eltern für umgerechnet etwa 150 Euro an den renommierten Geschäftsmann Herrn K. in Kampala verkauft wurde. Der Kopf des Buben sollte seine Geschäfte ankurbeln. Er glaubte, dass menschliche Körperteile in Ritualen für Reichtum und Erfolg unabdingbar sind. Trotz klarer Beweislage wurde Herr K. kürzlich freigesprochen.

Traditionelle HeilerInnen haben jedoch einen weiteren Aufgabenbereich und Zaubermittelchen für (fast) alles. In Zentraluganda sorgen sie unter anderem dafür, dass das Schönheitsideal von dicken Hintern bei Frauen befriedigt wird. Bereits Babys werden zu ihnen gebracht, damit deren Hintern massiert und mit diversen Kräutern eingerieben wird. Versäumen dies die Eltern, machen sich die erwachsenen Frauen selbstständig auf zum/r Heiler/in ihrer Wahl, um es nachzuholen und so für die gewünschte Aufmerksamkeit bei den Männern zu sorgen. Die Straßen Kampalas sowie Anzeigenteile der Tageszeitungen sind voller Poster und Inserate, die für diese Dienste der „Hinternvergrößerung“ werben.

Patricia Otuka-Karner
Kampala, Uganda

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen