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„Ich traf einen ehemaligen Medizinstudenten“, erzählt der indische Filmemacher Rajkumar Hirani im Interview mit mir. „Der Student sagte mir, nachdem er meinen Film ‚3 Idiots‘ gesehen hat, hat er sein Studium aufgegeben und spielt jetzt nur noch Gitarre.“

Der diesjährige indische Film „3 Idiots“, mit Bollywood- Superstar Aamir Khan in der Hauptrolle, hat alle Kassenrekorde der Kinogeschichte Indiens gebrochen. Er handelt von drei befreundeten Technik-Studenten, die mit der Zeit ihr wahres Potenzial und ihre wahre Leidenschaft entdecken und nicht mehr nur die Erwartungen anderer erfüllen wollen.

„3 Idiots“ hat eine unglaubliche Diskussion ausgelöst: über das auf sturem Auswendiglernen aufgebaute indische Universitätssystem, in dem Herdenmentalität Trumpf ist und Innovation unerwünscht. Der erdrückende Konkurrenzkampf beim Ergattern von Ausbildungsplätzen und Jobs im bevölkerungsreichsten Land der Erde erlauben jedenfalls keinen Spielraum für Experimente. Er erzeugt solchen Druck auf StudentInnen und SchülerInnen, dass die Selbstmorde unter Studierenden erschreckende Ausmaße angenommen haben. Indiens akademische Fabriken produzieren jährlich hunderttausende anpassungsfähige IngenieurInnen und Software-ExpertInnen, aber nicht einen einzigen Nobelpreisträger in den letzten Jahrzehnten – dafür müsste man nämlich träumen können, Fehler machen und Risiken eingehen.

„Als ich diesen Studenten dann fragte, etwas auf der Gitarre vorzuspielen“, erinnert sich Regisseur Hirani, „konnte er überhaupt nicht Gitarre spielen.“ Das verwundert den Regisseur. Träumen ist schließlich eine ernste Angelegenheit.

Arno Krimmer

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