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Wonnemonat Mai: In Europa schreiten jetzt viele zum Altar. Ein lieber Freund hier in Uganda heiratet auch. Er nimmt dafür einen Hochzeitskredit auf, den die Bank of Africa neuerdings neben Wohnbaukrediten etc. im Angebot hat. Allan und Debbie rechnen damit, umgerechnet ca. 20.000 Euro für ihre Hochzeit auszugeben. Für ugandische Verhältnisse ist das eine große Summe, aber auch durchschnittliche Hochzeitsfeierlichkeiten kosten hier etwa um die 5.000 bis 10.000 Euro. Hochzeiten sind eine Prestigefrage. Die ganze Familie ist involviert, ArbeitskollegInnen und FreundInnen wollen beeindruckt werden. Nicht nur die eigenen, auch die der Eltern.

Insgesamt beläuft sich die Gästeliste oft auf 300 bis 400 Personen. Vom Budget einer Hochzeit könnte sich das Paar leicht ein Grundstück kaufen, darauf ein Haus bauen oder die Schulgebühren der Kinder auf Lebenszeit zahlen. Manche Hochzeiten sind extravaganter als andere. Unlängst hat es eine Feier sogar auf die Titelseite einer nationalen Tageszeitung gebracht. Weil die Hochzeitstorte eine lebensgroße – leider nicht besonders attraktive – Statue der Braut war.

In Uganda gibt es drei rechtlich anerkannte Hochzeitszeremonien: kirchlich, standesamtlich oder traditionell. Zunehmend bevorzugen Paare die kirchliche oder die standesamtliche Variante, da diese Polygamie – zumindest offiziell – ausschließen. Traditionell kann ein Mann mehrere Frauen heiraten. Ich habe selbst einmal miterlebt, dass, nachdem der Priester bei einer Hochzeit fragte, ob jemand Einwände hätte, eine Frau in hinterster Reihe aufstand und sich als erste traditionell angetraute Ehefrau zu erkennen gab – was die Feierlichkeiten vorzeitig beendet hat.
Patricia Otuka-Karner

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