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Jakartas neuer Gouverneur Joko Widodo sieht nicht nur aus wie die indonesische Version von Barack Obama, er steht auch für einen neuen Politikstil. Joko „Jokowi“ Widodo hat die Herzen der Hauptstadtbevölkerung in einem Tempo und einer Art erobert, die einer kleinen Revolution gleich kommen. Der 51-Jährige kreierte mit seinem Markenzeichen, einem rot-blau-karierten Hemd, nicht nur einen neuen Modetrend. Er gewann, obwohl die zwei größten indonesischen Parteien den vorherigen Amtsinhaber, Fauzi Bowo, unterstützen. Dieser galt jedoch als korrupt und als Überbleibsel der Suharto-Diktatur. Widodo hingegen steht für eine saubere, transparente, bürgernahe Regierung. Dass eine solche in Indonesien möglich ist, bewies Widodo seit 2005 als Bürgermeister der zentraljavanischen Stadt Solo (Surakarta). Widodo reformierte die Verwaltung und ist bekannt dafür, Probleme im Dialog mit den BürgerInnen zu lösen.

Widodo-Kritiker sprechen von Selbst-Überschätzung. Fakt ist jedoch: Die Mehrheit der HauptstädterInnen sieht gerade in der sauberen Regierung von Widodo die Lösung für ihre Probleme, seien es Armut, Überbevölkerung, Verkehrskollaps oder Umweltverschmutzung.

Umso enthusiastischer wurde der Wahlsieg Widodos gefeiert. Und zwar mit öffentlichen „Bart-Ab-Parties“. Denn auch Jokowis Vorgänger, Fauzi Bowo, hatte mit einem optischen Merkmal, seinem Schnurrbart, Wahlkampf gemacht – gegen den „glatt rasierten“ Widersacher. Der Spott nach Bowos Niederlage ließ nicht lange auf sich warten. Zumal Widodos AnhängerInnen sofort nach den ersten Hochrechnungen begannen, Rasierer zu verteilen.
Anett Keller

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