AAI bewegte sich schon früher auf Abgrund zu

Von Erwin Ebermann ·

Der Artikel macht die gleichen Fehler wie andere Analysen über die Abwärtsbewegung des Hauses. Er meint, daß die Krise des Hauses erst mit dem Amtsantritt Bstehs 1998 begonnen hätte.
Das ist komplett falsch.

Die Krise begann 1994 mit dem Tode des Kuratoriumvorsitzenden Weihbischof Kuntner, der als innerkirchliches Schwergewicht das AAI vor Angriffen seitens konservativer Kreise der Kirche schützen konnte.

Sein Nachfolger (der gewünschte Nachfolger Kandlhofer wurde von Kardinal Groer abgelehnt, weil er Stellung für das von rassistischen Angriffen attackierte AAI-Heim Hollabrunn nahme) Hödl warf nach wenigen Monaten den beliebten Generalsekretär Wochinz hinaus, sorgte wegen des von vielen Mitarbeitern als brutal empfundenen Vorgehens für eine erste große Krise, wobei nicht das Faktum der Kündigung, sondern deren Art Bestürzung auslöste.

Unter ihm kam es zu gravierenden Veränderungen, auch atmosphärischer Art. Die Institutsspitze stellte sich z.B. die Frage, ob man denn entwicklungspolitische Bildungsarbeit wirklich brauche (Guggenberger vor Zeugen); ein mit dem Generalsekretär befreundeter Trainer bei einem hausinternen ZOPP-Seminar ohne Protest des Generalsekretärs „Ich darf ja zu Afrikanern Neger sagen, weil ich soviele kenne“; Postenausschreibungen wurden zunehmend durch informelle Bestellungen ersetzt; 1985 mußte eine mit 25 Wochenstunden bestellte Buchhaltungskraft ein priesterliches Empfehlungsschreiben mitbringen; komplettes Desinteresse des Kuratoriumsvorsitzenden Hödl an der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit. In fünf Jahren, in denen ich dieser Abteilung vorstand, stellte er mir keine einzige Frage zu Art und Fortgang des Veranstaltungsprogramms, ein gewaltiger Unterschied zum stets am Werk und an Mitmenschen interessierten Weihbischof Kuntner.

Dazu kam, daß die meisten Mitarbeiter das Gefühl hatten, daß Angriffe und Druck von konservativer Kirchenseite nunmehr unter dem Führungsteam Hödl/Guggenberger komplett ungefiltert an die Mitarbeiter weitergegeben wurden, wo vorher das liberale Wirken von Kuntner/Wochinz noch verteidigt wurde.

Wenn der Artikel von den „meisten Mitarbeiterinnen“ sprach, die sich von der Abwendung vom entwicklungspolitischen Auftrag irritiert zeigten, wo sind denn die? Von allen Mitarbeitern es ideologischen/programmatischen Bereichs (Bildung/Stipendien) bei Amtsantritt Hödl/Guggenberger ist heute nur mehr ein einziger vorhanden. Die meisten kündigten unter Hödl/Guggenberger. Warum wohl?
Bsteh fand bereits einen leicht zu erobernden Raum vor, als er 1998 das Institut übernahm, das dann in der Satzung in der ersten Zeile zu einem „frommen“ Institut erklärt wurde.

Dr.Erwin Ebermann
ehem. Abteilungsverantwortlicher für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des AAI-Wien

Dr.Erwin Ebermann
Promenadegasse 20-22/2/21, 1170 Wien
erwin.ebermann@univie.ac.at

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