„Adios Brokenhagen!“

Evo Morales geht als Vorbild voran: Enttäuscht von Kopenhagen lädt er im April zum alternativen Klimagipfel in Cochabamba ein. Nur: Bringt das was?

Von Michaela Krimmer
Cochabamba ist eine Ikone des Widerstandes. Im Jahr 2000 wurde es durch den "Wasserkrieg" berühmt. Als die Weltbank die Stadt zwang, die Wasserversorgung zu privatisieren, verdreifachte der neue Betreiber innerhalb kürzester Zeit die Wasserpreise. Die Cochabambinos wehrten sich. Das Kriegsrecht wurde über die Stadt verhängt. Sieben Menschenleben und hunderte Verletzte später war das Wasser wieder in staatlicher Hand - und wieder leistbar.

Kann der revolutionäre Geist der bolivianischen Stadt noch einmal greifen? Denn Evo Morales hat eine Einladung ausgesprochen. Er war einer der wenigen Präsidenten, die sich gegen den enttäuschenden Abschluss der Klimakonferenz in Kopenhagen stellten - mittlerweile schon als "Brokenhagen" bekannt. Seine Antwort darauf: Ein alternativer Klimagipfel in Cochabamba. Willkommen sind indigene und soziale Bewegungen, UmweltaktivistInnen und WissenschaftlerInnen ebenso wie VertreterInnen der UNO und von Regierungen, die "mit ihrer Bevölkerung zusammenarbeiten möchten".

Von 19. - 22. April soll die "Weltkonferenz der Völker über Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde" die Zivilgesellschaft sowie Entwicklungsländer auf die Klima-Folgekonferenz in Mexiko im Dezember vorbereiten. Die historische Schuld der Industrienationen, die für den Großteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, steht im Mittelpunkt. Aber es gibt auch Arbeitsgruppen mit romantischen Namen wie "Harmonie mit der Natur" oder "Rechte von Mutter Erde".

Doch noch liegen viele Steine am Weg nach Cochabamba: Die Zeit zum Planen der Konferenz ist sehr kurz. Eine Reise nach Cochabamba ist teuer und mühsam. Das gemeinsame Diskutieren von VertreterInnen aus UNO, Regierungen und NGOs: Das kann eindeutig zu Problemen führen. Es gibt - absichtlich - kein offizielles Komitee, das die Konferenz organisiert. Alles läuft über das Internet ab - auf zwei Sprachen: Englisch und Spanisch. Allein das birgt Potenzial für Konflikte und Missverständnisse in sich.

Kann aus dem ersten alternativen Klimagipfel eine so vielfältige und lebhafte Bewegung wie das Weltsozialforum entstehen? Quasi eine globale Klimaallianz? Die Konferenz in Cochabamba bietet jedoch nicht nur die Chance, die Stimme der Zivilgesellschaft in der Klimadebatte, sondern auch die G-77 zu stärken. Für die Regierungen der Länder des Südens ist der alternative Klimagipfel die Chance, sich zu vereinen, zu positionieren und mit starker Stimme im Dezember in Mexiko zu sprechen. Etwas, das in Kopenhagen gefehlt hat. Doch dafür müssen amtliche VertreterInnen erst einmal nach Cochabamba kommen. Bis jetzt stehen die Zeichen schlecht dafür. Evo Morales dient hier allen so genannten VolksvertreterInnen als Vorbild. Er hat - wie schon so oft - einen Schritt gemacht, der sein ehrliches Bemühen um das Volk zeigt. Und seine ehrliche Verbindung zu den sozialen Bewegungen und der Zivilgesellschaft, die in Kopenhagen entweder ausgeschlossen, weggesperrt oder im schlimmsten Fall sogar mit Gewalt zur Ruhe gebracht wurde.

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