Afrika in Wien

Dem Radio Afrika Center droht das Aus.

Von Lydia Matzka
Im Mai dieses Jahres wurde das Radio Afrika Center in Wien unter dem Motto "Kommunikation als Therapie gegen Fremdenangst" eröffnet. Mit viel Idealismus, Kraft und Optimismus errichteten MitarbeiterInnen vom Radio Afrika das gleichnamige Zentrum, das sich hauptsächlich als Bildungseinrichtung versteht: Es werden Seminare in Journalismus abgehalten und afrikanische Sprachen wie Swahili, Bambara, Igbo, Haussa und Joruba gelehrt. Kommunikation soll helfen, ein besseres Zusammenleben zwischen ÖsterreicherInnen und AfrikanerInnen zu schaffen und Vorurteile abzubauen.

Radio Afrika ist auf zwei Mittelwelle-Frequenzen zu hören: "FM-Afrique" auf 94,0 MHz und "Tribüne Afrikas" auf 1476 kHz.

Das Radio Afrika Center beherbergt ein Internet-Café und einen Frisörsalon. Die Bar, die an eine afrikanische Strandbar erinnert, dient als Treffpunkt für ein bunt gemischtes Publikum. Hier wird getanzt, gelacht und geplaudert.

Kaum zu glauben, dass hier und in den Büro- und Unterrichtsräumen nebenan einmal ein Fitnesscenter war.

Alexis Neuberg-Nshimyimana, der Leiter von Radio Afrika, deutet auf die weissen Fliesen und sichtbaren Abflussrohre in seinem Büro. Die Sanierung konnte nicht fortgesetzt werden, weil das Geld dafür fehlt.

Inzwischen dürfte dies aber das kleinste Problem sein, denn das Radio Afrika Center braucht bis Ende des Jahres dringend 400.000 Schilling, um überhaupt den Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Bisher wurden Kredite aufgenommen, die dann mit den Einnahmen aus Kursen, Inseraten in der Printausgabe der "Tribüne Afrikas" (Monatsbeilage in der "Wiener Zeitung") und anderen Projekten (wie zum Beispiel jenem von "Radio Melange", siehe Bericht auf Seite 8) abgezahlt werden sollen. Vom Wiener Integrationsfonds bekam das Radio Afrika Center eine Unterstützung von 100.000 Schilling. Auch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium förderte das Zentrum mit 100.000 Schilling. Das alles ist jedoch sehr wenig, angesichts der Tatsache, dass das Radio Afrika (incl. dem Radio Afrika Center) ein jährliches Budget in der Höhe von 1,5 Millionen braucht, um arbeiten zu können. Und das funktioniert auch nur, weil das Studio im Ö1-Funkhaus kostenlos benutzt werden kann und die JournalistInnen ohne Bezahlung arbeiten.

Radio Afrika hat 43 ehrenamtliche und drei geringfügig beschäftigte MitarbeiterInnen. Viel Energie und Enthusiasmus fliesst in dieses Projekt und Alexis, wie er überall nur mit seinem Vornamen genannt wird, versprüht einen unerschöpflichen Optimismus. Doch angesichts der tristen Situation scheint auch ein Lebenskünstler wie er, nicht mehr weiter zu wissen: "Ich bin müde. Wir arbeiten weiter, doch wir finden keine Anerkennung."

Aufgeben ist dem Profijournalisten aus Ruanda fremd. "Wir müssen den Wettkampf mit der Zeit gewinnen, einen Finanzier finden und das Projekt retten", gibt sich Alexis kämpferisch, "denn ein Scheitern würden uns die hier lebenden Afrikanerinnen und Afrikaner nie verzeihen."

Am 15. September wurde die Aktion "Radio Afrika FreundInnen" zur finanziellen Rettung des Zentrums ins Leben gerufen. Interessierte melden sich bei: Mag. Alexis Neuberg-Nshimyimana, Radio Afrika Center, Lorenz-Mandl-Gasse 33/1, 1160 Wien, Tel.: 01/494 40 33, radio.afrikas@sil.at.

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