Ai Weiwei: Never sorry

Film

DVD, 87 Min.

„Ich bin ein Schachspieler. Mein Gegner macht einen Zug – ich mache einen Zug“, das antwortet der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei der US-amerikanerischen Dokumentarfilmerin Alison Klayman, als diese ihn fragt, was für eine Art Künstler er sei. Ai Weiweis Taktik ist offensichtlich, direkt und aggressiv. Ganz im Gegensatz zu „typisch chinesischen Kritikern“, die in Klaymans Film als sanft und geschickt beschrieben werden und die nie direkte Kritik an Partei oder Regierung üben würden.

Ai Weiwei testet in seiner Heimat China regelmäßig, was den Autoritäten an Provokationen zumutbar ist. Im Film wird etwa seine Fotoserie angesprochen, in der der Künstler seinen ausgestreckten Mittelfinger jenen Orten entgegenstreckt, die für ihn Macht und Herrschaft repräsentieren.

Bei einem Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan im Jahr 2008 kamen insgesamt 70.000 Menschen ums Leben. Viele mit Billigmaterial gebaute Schulen stürzten wie Kartenhäuser zusammen. Die Regierung versuchte zu vertuschen, wie viele Kinder insgesamt umkamen. Ai Weiwei sammelte daraufhin mit einem Team aus Freiwilligen die Daten selbst. Hier setzt Klaymans Film an: Ein Jahr nach der Katastrophe veröffentlicht Ai Weiwei Namen und Geburtsdaten von insgesamt 5.212 verstorbenen SchülerInnen auf seinem Blog. Die Reaktion der Behörden lässt nicht lange auf sich warten – sie sperren den Blog umgehend. Sein nächster Schachzug: Er beginnt Informationen zu twittern. Zudem lädt er im Internet dazu ein, die gesammelten Daten der getöteten Kinder vorzulesen. Alle, die sich dazu aufgerufen fühlen, können eine oder mehrere Zeilen sprechen, das aufzeichnen und die Datei an ihn schicken. Zum zweiten Jahrestag der Katastrophe entsteht dadurch ein Tondokument, zu dem Tausende beigetragen haben. So erhielten die Kinder, die beim Erdbeben in den Schulen umkamen und über die davor niemand sprach, unzählige Stimmen.

So reiht Klayman im Film Schachzug um Schachzug Ai Weiweis aneinander. Atemlos verfolgt man die Geschichte. Wer schließlich Schachmatt gesetzt wird und wie, das sehen Sie sich am besten selbst an. Ich verspreche: Es lohnt sich.
  Andrea Ben Lassoued

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