Alle sind so lieb

Schwarze Schafe sind die Ausnahme in der Wirtschaftswelt. Die Soziale Unternehmensverantwortung fördert vielmehr Bewusstseinsbildung und Armutsbekämpfung.

Von Werner Hörtner
Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn zum Beispiel bei Siemens allem Anschein nach mindestens eine Milliarde Euro in dunkle Kanäle versickert ist – erstens ist es nicht Ihr Geld, und zweitens wird es ja zur Ankurbelung der Wirtschaft verwendet. Und Sie dürfen sich auch nicht ärgern, wenn der mexikanische Telecom-Unternehmer Carlos Slim seinen Reichtum pro Minute um 45.000 US-Dollar vermehrt und mit einem Vermögen von etwa 60 Mrd. Dollar im „Forbes“-Ranking bald Bill Gates vom Platz eins stoßen wird. Dem Tüchtigen gehört die Welt.
Doch sollten Sie sich jetzt doch geärgert haben, wollen wir Sie mit erfrischenderen Nachrichten beruhigen. Coca Cola, der Hersteller des meistverkauften Erfrischungsgetränks der Welt und selbsternannter Freund der Fußballfans, tritt in Österreich in Konkurrenz zur Regierung und reiht sich führend in die Phalanx der Armutsbekämpfer ein. „Coca Cola steht für Optimismus und Lebensfreude“, verkündet der US-Konzern neuerdings. „Diese Werte sollen auch an jene weitergegeben werden, die es im Leben nicht so gut getroffen haben.“

Vor lauter Rührung nehme ich einen Schluck Cuba Libre – natürlich auf Coca-Cola-Basis, und lese weiter auf www.coca-cola.at. „Deshalb engagiert sich die Coca-Cola Österreich-Foundation proaktiv und nachhaltig in vielen sozialen Bereichen. So auch in der Prävention und Bekämpfung von Armut in Österreich.“ Endlich eine positive Meldung in dieser Welt, die uns die Medien immer so düster und verdorben zeichnen. Ein großer Konzern will mit seinen innovativen Sozialprojekten das Leben positiv verändern: „Wir geben keine Almosen, wir agieren als Social Venture Capital Geber.“ Aha.
Wenn da nicht dieses verflixte Gedächtnis wäre! Da habe ich doch schon mehrmals gelesen, dass der formidable Durstlöscher in seinen Abfüllanlagen in Kolumbien unbotmäßige Gewerkschaftsaktivisten von den Paramilitärs einfach abknallen lässt. Acht Gewerkschafter sollen auf diese Weise bereits ums Leben gekommen sein, 50 zogen die Flucht dem Sarg vor. Die Gewerkschaft der Lebensmittelarbeiter in den Coca-Cola-Betrieben ist heute zerschlagen.
In den USA laufen schon seit Jahren Prozesse wegen dieser mörderischen Geschäftspraxis, in Indien reißen die Proteste wegen Wasserverschmutzung und Senkung des Grundwasserspiegels im Umfeld von Cola-Abfüllanlagen nicht ab.

Optimismus und Lebensfreude: Zusammen mit der Qualitätszeitung „Der Standard“ und dem NPO-Institut der Wirtschaftsuniversität Wien startet Coca Cola Österreich nun eine Kampagne „Ideen gegen Armut“. Jede und jeder kann sich an diesem Wettbewerb beteiligen, egal ob Organisation, Gruppe oder Einzelperson – wichtig ist nur, dass es sich um proaktive und nachhaltige Ideen zur Armutsbekämpfung in unserer Heimat handelt.
„Wir engagieren uns natürlich auch in Afrika und Asien“, sagt Tim Brett, Coca-Cola-Chef für Österreich. (Kolumbien erwähnt er nicht.) Und fährt fort: „Wir retten nicht die Welt, aber wir haben die Chance, einen kleinen Teil dazu beizutragen.“
Falls Sie den Ideen-Wettbewerb gewinnen, erhalten Sie als Dankeschön für Ihren Beitrag 50.000 Euro.

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