Alt und Gut?

Von Redaktion ·

Der Begriff Mildtätigkeit irritiert. In unserem Wortschatz ist er kaum mehr vorhanden, in seiner Bedeutung ist er kritikwürdig. Er verweist auf eine Beziehung zwischen Menschen in konträren Lebenssituationen. Auf der einen Seite stehen Menschen, die Hilfe brauchen, auf der anderen Seite Menschen, die helfen wollen und dies auch können. Die Beziehung zwischen helfenden und Hilfe empfangenden Menschen ist ungleich. Die einen geben (gnädig), die anderen nehmen (dankbar). Asymmetrische Macht- und Herrschaftsverhältnisse sind dem Mildtätigkeitsbegriff per definitionem eingeschrieben. Heute gilt Mildtätigkeit als altmodisch, der Ausdruck wurde von anderen Begriffen abgelöst. Menschen handeln wohltätig, karitativ oder philanthropisch, doch niemand würde sich ernsthaft als „mildtätig“ bezeichnen. Warum also von Mildtätigkeit sprechen?

Im Zentrum der folgenden Thema-Seiten, die Österreich in den Mittelpunkt stellen, stehen Phänomene des Gebens von Zeit und Geld in ihren unterschiedlichen Formen. Sie unter dem altmodischen Begriff der Mildtätigkeit zu fassen, hat zwei gute Gründe: Zum einen ist Mildtätigkeit ein juristischer Begriff und wird vom österreichischen Gesetzgeber als solcher verwendet. So sind seit 2009 Spenden für mildtätige Zwecke steuerlich absetzbar.

Zum anderen steckt in der Antiquiertheit des Begriffs eine Warnung vor einer Kultur des Helfens, die dem Anderen von oben herab begegnet, gönnerhaft und objektivierend. Diese Art der Hilfe ist nicht nur entwürdigend, sie hat meist auch wenig mit dem Blick und den Interessen derer zu tun, um die es eigentlich geht. Kritikwürdig sind auch die ökonomischen und politischen Strukturen, die Armut und soziale Ungleichheit produzieren, und damit mildtätiges Handeln überhaupt erst notwendig machen.

Mildtätigkeit, Wohltätigkeit, Fürsorge, Charity, Caritas, Diakonie, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Mitleid, Philanthropie, Altruismus – wir kennen viele Begriffe, die inhaltlich auf das Themenfeld verweisen. Entscheidend ist letztlich die Ethik des Helfens, die sich in der Beziehung zwischen den GeberInnen und EmpfängerInnen zeigt – egal welchen Begriff man dafür wählt.

Sarah Funk

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