Am Boden bleiben

Wie Mobilität solidarisch funktionieren kann.

Von Jonas Lage und Tobias Kalt

Für viele Menschen mit familiären Beziehungen zu anderen Kontinenten gibt es oft keine Alternative zum Fliegen. Sie sollten sich nicht für ihr Flugverhalten rechtfertigen müssen. Daneben gibt es schon heute einige, die fliegen könnten, aber nicht wollen. AbenteurerInnen reisen mit dem Schiff, dem Nachtzug oder trampen ans andere Ende der Welt.

Andere sparen sich die lange Reise ganz und radeln mit dem Zelt nach Slowenien oder machen Urlaub zu Hause. Doch diese Alternativen stoßen schnell an Grenzen: häufig sind sie teurer, zeitaufwendiger oder gesellschaftlich weniger anerkannt.

Infrastruktur benötigt. Damit klimafreundliches Reisen mehrheitsfähig wird, braucht es eine kulturelle Abkehr von der Wachstumslogik des Höher, Schneller, Weiter. Jetzt mehr denn je.

Ein erster Schritt könnte ein Verbot von Werbung für Flug- und Fernreisen sein, wie wir es für Tabakwerbung in weiten Teilen längst kennen.

Gleichzeitig müssen Alternativen gefördert werden: eine europaweite Plattform, über die man preiswerte Bus- und Bahntickets über Ländergrenzen hinweg buchen kann, ein zügiger Ausbau der Bahninfrastruktur auch in ländlichen Gebieten und ein Mehrangebot an Nachtzügen.

Auch ArbeitgeberInnen können einiges tun, etwa den Corona-Lerneffekt nutzen und Geschäftsflüge durch virtuelle Meetings ersetzen oder zusätzliche Urlaubstage für klimafreundliche Urlaubsreisen einführen.

Deckelung her! Will man die ökologischen Grenzen anerkennen und den Zugang zum Fliegen gerecht (um)verteilen, braucht es direkte Einschränkungen – auch für Gütertransport und berufliche Flüge. Initiativen und AktivistInnen, die sich für eine gerechte Reduktion des Flugverkehrs einsetzen, fordern seit Jahren, die staatliche Unterstützung der Flugindustrie durch Steuerbefreiungen und Subventionen einzustellen.

Darüber hinaus wird eine Steuer für VielfliegerInnen, ein Verbot von Kurzstreckenflügen und ein Stopp für Neubauprojekte von Flughäfen gefordert.

Gleichzeitig geht es um den Zugang zum Fliegen. Wir sollten uns als Gesellschaft überlegen, für wen wir ein noch verbleibendes, begrenztes Flugkontingent zur Verfügung stellen wollen: für Kurzurlaube in die Weltmetropolen oder für legale Fluchtrouten nach Europa.

Doch all das wird nicht vom Himmel fallen. Eine Abkehr vom Fliegen steht der kapitalistischen Wachstumslogik diametral entgegen und muss gegen massive Widerstände erkämpft werden – im Büro, in der Familie, auf Baustellen neuer Flughäfen und in politischen Institutionen.

Jonas Lage und Tobias Kalt arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiter und als Mitglieder des I.L.A.-Kollektivs zur sozial-ökologischen Transformation.

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