Americanah

Chimamanda Ngozi Adichie

Roman, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014, 608 S., € 25,70

„Ich verstehe, dass Rasse eine Rolle spielt, aber das Buch muss über Rasse hinausgehen“, lautet der Ratschlag eines amerikanischen Lektors aus Chimamanda Ngozi Adichies „Americanah“. Gäbe es diesen Lektor tatsächlich, wäre er wohl zufrieden mit dem Roman, in dem das sehr komplexe Thema zentral, jedoch nicht überpräsent ist. „Americanah“ ist ein vielschichtiges Werk, auf dessen äußerster Ebene sich die Liebesgeschichte von Ifemelu und Obinze abspielt. Die beiden haben einander als Jugendliche in ihrer Heimat Nigeria kennengelernt. Nun leben sie auf unterschiedlichen Seiten des Atlantiks – Ifemelu in Amerika und Obinze, nachdem er zwischenzeitlich in England war, wieder in Nigeria. Nach mehr als zehn Jahren könnten sich die beiden jetzt wieder ­sehen.

Die tieferliegenden Schichten von „Americanah“ werden von Ifemelus Lebensgeschichte umhüllt: Sie wächst in Nigeria im Umfeld gut gebildeter Menschen auf. Zum Studieren zieht es sie in die USA, wo sie zur „nicht-amerikanischen Schwarzen“ wird. Die junge Nigerianerin war sich ihrer Hautfarbe zwar schon immer bewusst, in den USA wird diese jedoch zu ihrem Hauptmerkmal. Außerdem kämpft Ifemelu im Ausland mit ihrem krausem Naturhaar und dem nigerianischen Akzent – beides wirkt sich negativ auf ihren Alltag und ihre beruflichen Pläne in den USA aus.

Ifemelus Leben wird in Rückblenden erzählt, mit Details über die Menschen in ihrer Umgebung sowie deren Schicksalsschläge. Dabei werden Themen wie Scheinehe, Bigamie, Abschiebung, Prostitution, Assimilation, Identität, Schönheitsideale und nicht zuletzt die Macht der Sprache allesamt im Kontext der „Rasse“ auf eine humorvolle Weise reflektiert. Das Meiste davon hält Ifemelu in ihrem Blog fest, unter dem Titel: „Raceteenth – oder ein paar Beobachtungen über schwarze Amerikaner (früher als Neger bekannt) von einer nicht-amerikanischen Schwarzen“.

Durch Ifemelu erhält man nicht nur Einblicke in Nigeria – von den politischen Debatten hin zu alltäglichen Stromausfällen. Man bekommt auch die Möglichkeit, die eigene Welt aus einem komplett neuen Blickwinkel zu betrachten.

Adichie hat in „Americanah“ die größten Probleme, mit denen schwarze Menschen in westlichen Gesellschaften konfrontiert werden, in eine Lebensgeschichte verpackt und mithilfe authentischer Charaktere Liebesbeziehungen sowie das Thema Rasse aus faszinierenden Perspektiven beleuchtet.
Stephanie Anko

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