Andreas Boueke: Guatemala

Journalistische Streifzüge

Von Ingvild Mathe-Anglas
Verlag Horlemann, Bad Honnef 2006, 238 Seiten, EUR12,90

Warum werden in Guatemala Jugendliche festgenommen, nur weil sie Tätowierungen tragen? Und wie steht die Kirche zur gleichgeschlechtlichen Liebe? Das im Oktober 2006 erschienene Buch von Andreas Boueke „Guatemala – Journalistische Streifzüge“ zeichnet in einer guten Mischung aus 16 Reportagen und Berichten ein lebendiges, authentisches Bild von Guatemala. Es ist etwas für alle, die dieses Land über seine touristischen Aspekte hinaus genauer kennen lernen wollen. Es ist packend geschrieben, ergänzt durch Fotos des Autors.
Boueke berichtet von der Kaffeekrise, von sklavenähnlichen Zuständen auf Zuckerrohrplantagen, von der schwierigen Aufarbeitung des Bürgerkrieges und davon, was unsere Weihnachtssterne mit der siebzehnjährigen Marta zu tun haben.
Der Autor, der seit zwölf Jahren vorwiegend in Guatemala lebt, hat gründlich recherchiert und einen langen Atem bewiesen. Berührungsängste kennt Boueke weder mit den Ärmsten der Armen noch mit den Reichen und Mächtigen Guatemalas. Auf seinen Streifzügen traf er arme Mayafrauen, die ohne medizinische Hilfe ihre Kinder gebären; Jugendliche, die ungeschönt von der Gewalt in den Jugendbanden berichten. Er traf Kriegsversehrte, die um ein Leben in Würde kämpfen. Besonders beeindruckend ist die enthüllungsjournalistische Reportage über eine mächtige Ölfirma, die jahrzehntelang den Urwald ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Bevölkerung verschmutzte. Über mehrere Jahre hinweg veröffentlichte der Autor in einer guatemaltekischen Zeitung die Ergebnisse seiner Recherchen, bis der Ölmulti die Schäden beseitigte. Andreas Boueke deckt auf, klagt an, benennt Missstände und Verantwortliche. Alles andere als ungefährlich in einem Land, in dem die Korruption blüht und das eine der höchsten Mordraten der Welt aufweist.
Nicht zuletzt erwähnt Boueke immer wieder die Rolle der Kirchen. Als Rettung für Jugendliche, die sich von ihren Banden lossagen wollen; als unzugänglich, geht es um die Bewegung der Homosexuellen. Auch die immer einflussreicher werdende evangelikale Bewegung findet überaus kritisch Erwähnung.
Boueke gibt auch den Menschen eine Stimme. Sie berichten authentisch über ihr Leben, über das, was ihnen widerfahren ist: María Ixcoy zum Beispiel, die als Schafhirtin begann und sich als eine der wenigen Mayafrauen den Weg bis in die Universität bahnte. Oder Cristóbal Pérez, der half, einen Umweltskandal aufzudecken und deshalb aus seiner Heimat fliehen musste. Auch bekannte Persönlichkeiten wie die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú kommen zu Wort.

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