Antworten auf Sarkozy

Afrikanische Innen- statt europäischer Außensicht: In dem soeben erschienenen Buch „Der undankbare Kontinent?“ entlarven afrikanische Intellektuelle Frankreichs Paternalismus und Neokolonialismus und nehmen vor allem Präsident Nicolas Sarkozy aufs Korn.

Von Michaela Krimmer

Sie wurde groß angekündigt. Die Erwartungen waren groß. Sie sollte die Beziehung zwischen afrikanischen Ländern und Frankreich rundum erneuern, hieß es.

Am 26. Juli 2007 war es dann soweit: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hielt eine Rede an der senegalesischen Universität Cheikh Anta Diop. Was danach geschah, war nicht nur öffentliches Bekunden von Enttäuschung. Eine Welle der Entrüstung schwappte durch das intellektuelle Afrika und auch durch Frankreich.

Auch wenn der französische Präsident nicht gerade für seine Diplomatie und sein Fingerspitzengefühl bekannt ist, so war das, was er als eine neue Ära zwischen Afrika und Frankreich bezeichnete, nichts anderes als paternalistische und neokoloniale Arroganz.

An die Jugend Afrikas gerichtet, wärmte er alte Klischees auf: Der afrikanische Bauer kenne nichts als die immer gleich bleibenden Gesten und Worte. Der Fortschrittsgedanke hätte da keinen Platz, sagte Sarkozy. Mythen, Rituale und Magie würden den Kontinent überziehen. Erdverbundenheit wurde des Öfteren erwähnt. Seit Jahrhunderten sei der Afrikaner der gleiche geblieben. Dabei sollte die Idee Hegels der „Völker ohne Geschichte“ doch schon lange überholt sein. Afrikanische Intellektuelle antworteten Sarkozy.

Das Buch „Afrika antwortet Sarkozy“ wurde ein Bestseller in Frankreich und ließ das Land hitzig debattieren. Darin beschreiben ausschließlich afrikanische Intellektuelle ihre Sicht der Dinge. Stellen die Arroganz von Sarkozy bloß, entlarven seine Vorurteile und stellen dem ein realistisches Bild der Befindlichkeit und Kritik vieler afrikanischer Intellektueller entgegen.

Elf Beiträge daraus wurden nun in dem Buch „Der undankbare Kontinent? Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung“ auf Deutsch herausgegeben. Von den Romanisten Peter Cichon, Reinhardt Hosch und Fritz Peter Kirsch übersetzt, verschaffen sie den analytischen afrikanischen Stimmen nun auch hierzulande Gehör. Nicht umsonst haben sich Sprachwissenschaftler dieses Themas angenommen, werden die alten Klischees doch durch eine alte, wohl eher in der Kolonialzeit üblichen, Rhetorik Sarkozys noch aufgeheizt.

Und obwohl der Ghostwriter von Sarkozy, Henri Guaino, abstritt, irgendetwas falsch gemacht zu haben, waren alle weiteren Reden Sarkozys, ob in Tunesien oder Südafrika, seitdem sprachlich und inhaltlich ganz anders gestrickt.

Peter Cichon, Reinhardt Hosch, Fritz Peter Kirsch (Hg.), Der undankbare Kontinent? Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung.
Hamburg, Argument Verlag 2010, 285 Seiten.

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