Atiq Rahimi: Der Krieg und die Liebe

Von Elke Müller-Bardey ·

Roman. Aus dem afghanischen Persisch (Dari) von Susanne Baghestani. Verlag Claassen bei Ullstein Heyne List, München 2003, 171 Seiten, EURO 16,-

Kabul 1979. Nach der Ausgangssperre greifen Soldaten den Studenten Farhad auf, schlagen ihn brutal zusammen und werfen ihn in einen stinkenden Graben. Mahnas, eine junge Witwe, deren Mann wie tausend andere als politischer Häftling gefoltert und ermordet wurde, beobachtet alles. Sie kann den Schwerverletzten unbemerkt in ihr Haus retten. Besorgt kümmert sie sich mit ihrem kleinen Sohn um ihn. Nur zögernd taucht der junge Mann aus seiner Bewusstlosigkeit auf, immer wieder versinkt er in einem schmerzhaften Dunkel.
Farhad wähnt sich tot, in einem Albtraum gefangen. Ganz deutlich hört er Stimmen: Ein unbekanntes Kind nennt ihn Vater, eine Frau Bruder. Haben sich Dschinnen (Geister) seiner bemächtigt? Als Farhad schließlich erwacht, bleibt die Situation für ihn verwirrend. Wer sind diese Frau und das Kind, die ihn beherbergen? Noch nie war der Zwanzigjährige mit einer fremden Frau in solcher Nähe allein. Es berührt ihn seltsam, mit welch unnachahmlicher Geste Mahnas sich eine Locke aus dem Gesicht streicht. Scheue, neue Gedanken und Gefühle erfüllen und verunsichern ihn und machen ihn sprachlos. Erstaunt und bewundernd beobachtet er, mit wie viel stoischem Mut die selbstbewusste junge Frau sich gegen die traditionellen Ansprüche ihrer konservativen Familie und die Alltäglichkeit des Krieges behauptet und so selbstlos für ihn, den Fremden, ihr Leben aufs Spiel setzt.
Mit großer sprachlicher Ausdruckskraft stellt Atiq Rahimi die Brutalität des Krieges dar, mit sehr viel Zartheit, Poesie und Intensität erzählt er von den Gefühlen und der Vielfalt der Liebe zwischen Menschen auch in Zeiten der Gewalt. Vieles ist nur angedeutet und steht zwischen den Zeilen. In seiner Vielschichtigkeit und Dichte scheint der Roman beim Lesen an Umfang zu gewinnen.

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